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Was löst einen Herzinfarkt letzlich aus? Mediziner betreiben intensive Ursachenforschung. Eine wichtige Rolle dürften auch Entzündungen spielen.
SALZBURG (SN-u.k.).
Herz-Kreislauferkrankungen sind in Österreich die Todesursache Nummer eins. Jährlich sterben mehr als 40.000 Menschen daran. Urheber von Herzinfarkt und Schlaganfall ist Arterienverkalkung. Mediziner versuchen mittels eines zusätzlichen Entstehungsmodells zu erklären, warum bei Menschen plötzlich Infarkte auftreten. Peter Libby, Chef der Abteilung für Kardiovaskuläre Medizin am Brigham and Women's Hospital in Boston, berichtet über Forschungen seiner Abteilung in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift "Spektrum der Wissenschaft". Arterienwände seien keine starren, passiven Röhren. Die meisten Herzattacken und Schlaganfälle gehen nicht darauf zurück, dass sich mit Fett beladenes Material an der Arterienwand aufbaut und damit den Blutstrom einengt. Sie sind auf Plaques (arteriosklerotische Gefäßveränderungen) zurückzuführen, die plötzlich aufplatzen und dadurch die Bildung eines Blutpfropfs auslösen. Dieser Thrombus verschließt innerhalb von Minuten die Ader. Libbys Meinung nach spielen Entzündungsvorgänge in allen Phasen der Arteriosklerose eine wichtige Rolle. Schlechtes Cholesterin reichert sich an der innersten Schicht der Arterienwand an und bleibt dort stecken. Die Gefäßwand verändert sich, Zellen darin "schreien" Alarm. Das Immunsystem eilt zu Hilfe. Monocyten und T-Lymphozyten, das sind Vertreter der weißen Blutkörperchen, Makrophagen - die Fresser der Fetttröpfchen - greifen an. Sie heilen jedoch nicht die Entzündung, sondern bauen nach Libby die Aderwand um. Eine größere Plaque entsteht. Der Infarkt passiert, wenn dann die Kappe der Plaque aufbricht. "Das ist im Prinzip nicht neu. Es gibt in der Arteriosklerose drei Säulen. Erstens: Fett, Cholesterin, Plaque. Zweitens, es ist eine Abwehrreaktion des Körpers und deshalb dockt Cholesterin an. Drittens, es ist ein entzündlicher Prozess. Das Thema ist allerdings das spannendste", sagt dazu Friedrich Hoppichler, Vorstand der Abteilung für Innere Medizin im Salzburger Krankenhaus der Barmherzigen Brüder. "Wenn es Letzteres ist, müsste Arteriosklerose in der westlichen Welt bedeutend weniger oft vorkommen. Denn mit den Antibiotika, wie wir hier schlucken, hätten wir die Entzündungen schon ausgerottet. Doch das hat nicht funktioniert." Die Einnahme von Aspirin habe etwas gebracht, denn es wirkt auf die Blutplättchen. Sie verklumpen nicht so leicht. Die Blutplättchen rücken an, wenn es darum geht, einen Defekt abzudichten. "Die Frage ist: Ist Plaque die Folge von Cholesterin? Oder bildet sich durch etwas anderes an der Gefäßinnenhaut ein Riss, dem eine Entzündung folgt - und das Cholesterin kommt dann dorthin? Wir wissen derzeit nicht, ob zuerst die Arteriosklerose da ist oder die Entzündung. Das ist wie die Henne und das Ei", sagt Hoppichler. Die Empfehlungen für die Gesundheit und die Vorsorge bleiben in jedem Fall gleich: Gutes Cholesterin stärken, von dem auch angenommen wird, dass es einen entzündungshemmenden Effekt hat; richtige Ernährung, regelmäßige Bewegung, weniger Gewicht. Wichtig wären auch schonende Methoden, mit deren Hilfe sich die bruchempfindlichen Plaques aufspüren lassen. Denn die aufbrechenden Plaques sind nicht diejenigen, die weit in die Blutbahn ragen, und deshalb bei Untersuchungen besonders schwer auszumachen.
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