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Die Müdigkeit steckt noch in den Knochen. Nur mühsam geht es aufwärts. Obwohl es ziemlich kühl ist, steht der Schweiß auf der Stirn. Auch wegen der Spur, die noch gefroren und deshalb rutschig ist. Viel Kraft ist notwendig, um die ersten Höhenmeter zurückzulegen. Aber was soll man machen? Wer im Frühjahr auf die 3000er will, für den heißt es früh aufstehen.
Das ist allein wegen der Sicherheit notwendig. Je später der Tag, umso größer ist die Gefahr, dass die starke Frühjahrssonne die Schneedecke bis zum Boden aufweicht und instabil macht. Damit wächst die Gefahr von Grundlawinen, bei denen die ganze Schneedecke abgeht. Wie auf einer Rutsche saust der Schnee, wenn er erst einmal in Bewegung gekommen ist, in die Tiefe.
Aber die Lawinengefahr ist bei Hochtouren sowieso immer ein Thema. Auch wenn man bereits in den frühen Morgenstunden unterwegs ist. Über der Baumgrenze hält den Wind nichts davon ab, den Schnee zu verfrachten, ihn in den Rinnen und Mulden abzulagern. Der wartet dann dort nur darauf, durch einen Skitourengeher in Bewegung gesetzt zu werden.
So wie Skifahren kann aber auch der Umgang mit der Lawinengefahr gelernt werden. Die alpinen Vereine bieten Seminare an, durch die man Informationen bekommt, wo die Gefahren lauern.
Die im Verlauf des Tages zunehmende Lawinengefahr ist nur ein Aspekt, warum Skitourengeher früh aus den Federn müssen. Der Aufstieg ist weniger anstrengend, wenn die Sonne noch nicht vom Himmel brennt.
Sobald dies der Fall ist, ist ein guter Sonnenschutz, angefangen von einer Kappe, einer Brille und einer Creme bei Frühjahrstouren ein Muss. Ebenso wie ein Verschütteten-Suchgerät, eine Lawinenschaufel und eine Lawinensonde. Allerdings nützt es nichts, all das nur im Rucksack zu haben. Nur wer sein Suchgerät eingeschaltet am Körper trägt und geübt hat, mit ihm umzugehen, hat im Ernstfall eine Chance, gefunden zu werden bzw. einen verschütteten Kameraden zu finden.
Bei Touren auf die 3000er gehören ein Biwaksack, Karten, ein Kompass oder als Alternative ein GPS-Gerät zur Standardausrüstung. Gerade im Hochgebirge besteht ständig die Gefahr, dass das Wetter rasch umschlägt. Und wer einmal im Hochgebirge bei dichtem Nebel unterwegs war, der weiß, wie schwer es ist, die Orientierung zu behalten.
Notwendig ist weiters eine Gletscherausrüstung, die aus Seil, Brust- und Sitzgurt besteht. Das Ewige Eis mit seinen Spalten, die dort lauern, darf nicht unterschätzt werden. Wer über einen Gletscher geht, der sollte gesichert sein. Wobei die Gefahr abnimmt, je mehr Personen in das Seil eingebunden sind. Bei einer Zweier-Seilschaft gehört viel Können dazu, den abgestürzten Partner aufzufangen. Nur wer die Sicherungstechnik entsprechend geübt hat, hat eine Chance.
Bei der Abfahrt über einen Gletscher ist eine Seilsicherung ratsam, obwohl es ziemlich schwierig ist, am Seil zu fahren, und es entsprechend geübt werden muss. Allerdings gibt es dazu keine Alternative, sonst kann ein Teilnehmer schnell in einer Gletscherspalte verschwinden.
Geduld. Das ist im Frühjahr das Zauberwort für die Skitourengeher. Denn nur wer am Gipfel lange genug wartet, bis die die Wärme den gefrorenen Schnee schmelzen und ihn richtig "schmieren" lässt, hat ideale Bedingungen für die Abfahrt. Wer zu früh startet, muss sich über die gefrorene Schneedecke quälen. Wer zu spät startet, plagt sich durch den tiefen, nassen Schnee und verbraucht dabei noch deutlich mehr Schweiß als beim Aufstieg.
Obwohl Österreich jede Menge Berge bietet, auf denen die Skibergsteiger sich bis Ende Mai, Anfang Juni austoben können, zieht es immer mehr Skitourengeher in die Ferne. In die Schweiz, nach Italien oder nach Frankreich, wo die 4000er darauf warten, bestiegen zu werden. Die Westalpen und seine riesigen Gletscher sind eine eigene Welt, eine eigene Herausforderung für Skitourengeher, der sich viele Sportler gerne stellen. Und wem diese Berge noch nicht spektakulär genug sind, der kann ja noch in den Kaukasus reisen oder in den Himalaja, oder nach Südamerika.
© SN/APA.
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