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Die Methoden der künstlichen Befruchtung werden immer ausgefeilter. Hand in Hand damit geht die Möglichkeit einer immer besseren Selektion.
WIEN (SN-bm).
Eine neue in den USA entwickelte Methode, die so genannte Haploidisierung, könnte schon bald die künstliche Befruchtung revolutionieren. Denn sie würde selbst bei extrem unfruchtbaren Paaren Unmögliches möglich machen; und so ganz nebenbei das Klonen von Menschen überflüssig. Es geht dabei um eine Art der künstlichen Befruchtung, bei der es möglich sein wird, unreife Samenzellen des Mannes, möglicherweise sogar einmal Haut- oder andere Zellen des Körpers erfolgreich mit einer Eizelle zu verschmelzen. Ein ganz normales Kind entsteht. Die Präsentation dieses neuen Verfahrens der Invitro-Fertilisation (IVF) wird das Highlight auf dem Wiener Weltkongress von "A Part" sein, der heute, Freitag, beginnt und modernste Verfahren vorstellen wird. "A Part" heißt der Verband der privaten IVF-Institute. Die Haploidisierung hätte den Vorteil, dass man auf fremden Samen verzichten könne, wenn der Mann keinen brauchbaren reifen Samen habe, erklärte dazu am Donnerstag IVF-Pionier Wilfried Feichtinger. Der Gynäkologe - übrigens einer der medizinischen Väter des ersten österreichischen "Retortenbabys" - glaubt auch, dass sich Paare auf diese Weise Eizellenspenden von fremden Frauen ersparen könnten. Die Haploidisierungstechnik hat der aus Brünn stammende und eine Zeit lang in Wien tätige Biologe Ian Tesarik entwickelt, der in den USA mittlerweile zum Star avancierte. Eine haploide Zelle hat einen einfachen Chromosomensatz; etwa eine Samenzelle. Das macht die Vereinigung der Samenzelle mit der Eizelle - diese kann von sich aus einen Chromosomensatz einfach abspalten und "weglegen" - zu einem Lebewesen mit normalem doppelten Chromosomensatz überhaupt erst möglich. Nun gibt es aber Männer, deren Samenzellen einfach nicht genug heranreifen und in einem Vorstadium mit einem doppelten Chromosomensatz stecken bleiben.
Eizelle wird mit Fremdsperma "überredet"
Bei der Haploidisierung nimmt man nun dieser männlichen unfertigen Samenzelle künstlich einen Chromosomensatz weg und vereinigt sie mit dem Ei. In Israel wurde für die künstliche Befruchtung mit solchem "schlechten" Samenmaterial eine unterstützende Methode erfunden, die überaus listig ist: Um die Eizelle zu "überreden", sich zu vereinen und schließlich zu teilen, wird sie zunächst mit einer völlig gesunden Samenzelle eines Spenders angeregt. Ist sie befruchtungsreif, wird der Samen wieder entfernt und der weniger gute des werdenden Vaters eingesetzt. Das klappe offenbar erstaunlich gut, erklärt dazu Feichtinger. Es werde aber noch eine Zeit brauchen, um beide neuen Methoden auf ihre Tauglichkeit hin zu bewerten. Ebenso eine neue Form der Prä-implantationsdiagnostik aus Australien. Die Forscher schafften es, den kompletten Chromosomensatz von nur einer Zelle eines bereits befruchteten Embryos zu analysieren. Feichtinger sprach sich diesbezüglich dafür aus, eine Voruntersuchung der Invitro-Embryonen auch in Österreich zuzulassen. Bei den IVF-Instituten suchten viele Paare Rat, weil sie fürchteten, einen Gendefekt weiterzuvererben. Und die Ärzte sollten dann auch die Freiheit haben, diagnostische Schritte und Behandlungen durchführen zu dürfen, sagte der Reproduktionsmediziner.
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