| In Österreich ist ein Fünftel der Kinder und Jugendlichen zu dick. Sport ist ein wichtiger Faktor, um das Problem in den Griff zu bekommen. Bleiben die Fragen, wie man den Nachwuchs zu mehr Bewegung animiert. ALFRED PFEIFFENBERGER
Österreichs Kinder sind zu dick. Seit Jahren warnen Mediziner davor, dass dies massive Auswirkungen auf die Gesundheit haben könne. Von Gelenken, die zu schnell abgenützt werden, bis zu Diabetes.
Nur, wie schafft man es, dass die Mädchen und Buben, die zu viel Gewicht auf die Waage bringen, dieses wieder verlieren? Durch Bewegung und eine Umstellung der Ernährung, sagt Holger Förster, Kinderarzt und Spezialist für Kindersport-Medizin. Wobei das eine ohne das andere nicht funktioniert.
Die Daten machen es deutlich. Wer regelmäßig Sport betreibt, am besten vier Mal in der Woche, der verbraucht mehr Kalorien als ein Nichtsportler. Und das nicht nur während der Bewegung, sondern ständig. Um bis zu 20 Prozent mehr Energie benötigt ein Körper, der regelmäßig bewegt wird, vor allem, weil die Muskelmasse deutlich höher ist. "Wer nichts tut, der hat den gegenteiligen Effekt", sagt Förster. Der Energieverbrauch sinkt. Dann werden die Kalorien nicht verbrannt, sondern wandern direkt ins Fettdepot.
Wer Kinder zu mehr Bewegung animieren will, der darf eines nicht machen: sie langweilen. Der Nachwuchs brauche Herausforderungen, sagt Förster. Die Mädchen und Buben seien an Herausforderungen interessiert, an dem, was sie gerade noch schafften. Und noch etwas sollte man unbedingt machen: Den Nachwuchs ins Freie schicken. "Draußen müssen sie sich rühren und vor allem gibt es keine Ablenkungen, wie Computer, Fernseher oder eine Playstation", erklärt der Mediziner. Wobei es nicht nur darum gehe, dass die Kinder Sport machten. Das ganze Leben müsse bewegter werden. Der Weg zu Schule sollte mit dem Rad oder zu Fuß zurückgelegt werden und die Stiege den Lift ersetzen. Besonders gefragt sind, wenn Kinder mehr Sport machen sollen, die Eltern. Zum einen dienen sie als Vorbild, zum anderen sind sie auch wichtig, um den Kindern Bewegung abwechslungsreich und spannend zu präsentieren. "Wer auf einer Schotterstraße auf einen Berg wandert, wird seinen Nachwuchs nur kurz begeistern können. Derselbe Weg durch den Wald zurückgelegt, kann für die Kinder extrem interessant sein", sagt Förster.
Beginnen übergewichtige Kinder mit dem Sport, dann sollte zuerst ein Krafttraining organisiert werden. Nur, wenn die Muskulatur entspreche, könne ohne gesundheitliche Schäden ein entsprechendes Ausdauertraining absolviert werden, sagt Förster.
Wichtig sei, mehrmals in der Woche zu trainieren. "Nur dann merkt sich der Körper, dass etwas anders ist und reagiert auf die gesetzten Reize", erklärt Förster. Für dicke Kinder seien Sportarten geeignet, bei denen das Gewicht nicht voll auf die Gelenke wirke. Radfahren, Schwimmen und andere Wassersportarten seien optimal.
Die Zeit für den Sport könnten sich die Kinder ruhig nehmen, die Leistungen in der Schule würden nicht darunter leiden, sagt Förster. Eine Studie zeigte, dass eine Schülergruppe, die statt einer Mathematikstunde eine Sportstunde mehr hatte, bei den Prüfungen besser abschnitt. Ausreichend Bewegung halte also nicht nur den Körper, sondern auch den Geist fit, sagt der Kinderarzt.
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