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AUFGEDECKT
GERTRAUD LEIMÜLLER
In der Früh ein Schluck Probiotik. Das stärkt die Abwehrkräfte. Zu Mittag einen Müsliriegel mit "panvitalen Nährstoffen" als Nachspeise. Normales Essen besteht ja nur noch aus leeren Kalorien. Und nach dem Abendlauf - ha, wieder einmal den inneren Schweinehund überwunden! - ein gutes isotonisches Getränk. Was hinausgeschwitzt wurde, muss ja auch wieder hinein. Kaum jemand schafft es, rund um die Uhr so viel Frisches und Gesundes zu futtern, wie er sollte. Deshalb hat die Industrie Functional Food erfunden: Lebensmittel mit dem gesunden Extranutzen.
Die Designerprodukte beruhigen das schlechte Gewissen. Ob sie auch der Gesundheit zuträglich sind, hängt vom Einzelfall ab. Wer weiß schon, dass sich die angeblich so wertvollen probiotischen Keime im Joghurt erst nach einer gewissen Dauerberieselung im Darm ansiedeln? Oder was sich hinter dem "PMN-Komplex", der in Lebensmitteln der Marke "Alpha Pan" enthalten sein soll, tatsächlich verbirgt? Der Hersteller ist mit genauen Angaben knausrig. Mystik soll offenbar Information ersetzen. Von Ernährungswissenschaftern wird Functional Food nicht ausdrücklich empfohlen. Es als Ersatz für alles andere einzusetzen, was sonst eine gute Ernährung ausmacht, geht jedenfalls schief.
Ab und zu, sozusagen als Ausgleich, sollte man wenigstens zu den ältesten Produkten greifen, die die Natur auf diesem Sektor zu bieten hat: Apfel, Karotte oder ein knackiger Salat enthalten statt isolierten, zugesetzten Nährstoffen eine ganze Palette an Fitmachern. Sie sind vielleicht nicht so schick und bequem, aber seit Jahrhunderten erprobt. Und billiger.
© SN.
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