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Hormonersatztherapie: Frauen ab 45 müssen gezielter therapiert werden
BERLIN (SN, dpa).
Viele Frauen glauben, dass ihr Brustkrebsrisiko durch eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren steigt. Wie Experten am Dienstag auf dem 10. Weltkongress für Menopause in Berlin übereinstimmend betonten, ist an dieser Meinung wenig dran. "80 Prozent der Studien zeigen keinen Effekt, in zehn Prozent der Studien steigt die Brustkrebsrate, in zehn Prozent sinkt sie", sagte William Creasman von der Medical University of South Carolina (Charleston/USA). Er bezieht sich auf eine Untersuchung aus Oxford (Großbritannien), für die alle verfügbaren Studien zur Hormonersatztherapie ausgewertet wurden. Frauen überschätzten das Brustkrebsrisiko, sagte Creasman. Frauen in den USA glaubten, dass 40 Prozent der Frauen an Brustkrebs sterben und 10 Prozent an Herzerkrankungen. Das Verhältnis sei umgekehrt: Tatsächlich würden 45 Prozent an Herzkrankheiten sterben und nur vier Prozent an Brustkrebs. Eine kleine Verringerung der Herzinfarktrate bei Frauen durch Hormone wiege in der Gesamtsterblichkeit deutlich schwerer als eine kleine Erhöhung der Brustkrebsrate. Gleichwohl sind die Ärzte davon abgekommen, allen Frauen über 45 Jahren unterschiedslos die Hormonersatztherapie (HRT) anpreisen zu wollen. "Die naive Empfehlung wurde zurückgenommen. Jetzt sollen Frauen gezielter therapiert werden", sagte Reinhard Ziegler von der Universität Heidelberg.
Schutz vor Osteoporose und Herzerkrankungen
Frauen scheinen von niedrigst dosierten Östrogenen sogar nach einer Brustkrebstherapie zu profitieren. Bei diesen Frauen galt eine Hormontherapie bislang als tabu, eben wegen des Verdachts, Brustkrebs zu fördern. "Wir können unsere Patientinnen beruhigen", sagte er. Eine Untersuchung habe eine höhere Überlebensrate bei Frauen ausgewiesen, die nach einer Brustkrebstherapie eine HRT erhielten, gegenüber Frauen, die nach Diagnose und Behandlung auf HRT lieber verzichtet haben. Ersatzhormone haben nicht nur bei den typischen Beschwerden der Wechseljahre wie Hitzewallungen und Schlafstörungen positive Wirkungen. Sie scheinen auch einen deutlichen Schutz vor Osteoporose (Knochenschwund) und einen leichten vor Herzerkrankungen und Darmkrebs zu bieten. Nicht wenige Frauen hätten Angst vor der "Alterspille". Sie würden verunsichert durch Meldungen, dass die Hormone die Brustkrebsrate erhöhen könnten. Am schlechten Image der Hormonersatztherapie seien die Medien schuld, kritisierte Wilhelm Braendle, Präsident der Deutschen Menopause-Gesellschaft. Es seien nämlich immer nur die Negativstudien breit publiziert worden.
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