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Zum Weltnichtrauchertag diese Woche schöpften die Lungenärzte wieder aus ihrem großen Reservoir an Gruselnachrichten, die sie zum Thema Rauchen parat haben. Ganz besonders im Visier: Jugendliche, die heute immer früher zur Zigarette greifen und ihre Gesundheit damit besonders stark gefährden.
GERHARD SCHWISCHEI
Wenn man jung ist, fühlt man sich unverletztlich. Schon gar nicht ist man an der Kritik der Erwachsenen interessiert. Das weiß auch Michael Studnicka, Primar der Lungenabteilung am Salzburger Landeskrankenhaus: Die Jugendlichen seien, was das Rauchen betreffe, kaum ansprechbar. In dieser Altersgruppe würde nur eine Verdopplung der Zigarettenpreise Wirkung zeigen. Besonders bedenklich ist für ihn: Das Einstiegsalter sinkt, heute würden schon 21 Prozent der Elfjährigen ihre ersten Rauchversuche starten. Zehn Prozent der 12- bis 13-Jährigen und bereits 30 Prozent der 14- bis 15-Jährigen rauchten regelmäßig. Und gerade diese Tatsache lässt bei den Lungenärzten die Alarmglocken schrillen. "Je jünger man zu rauchen beginnt, umso höher ist das Risiko, später einmal an Lungenkrebs zu erkranken", betont Studnicka. Die krebserregenden Stoffe des Tabakrauches treffen in jungen Jahren auf Zellen mit hoher Teilungsrate. Die Gefahr, dass man bereits in dieser Phase Mutationen der Lungenzellen verursache, die später zum Krebs führen, sei besonders hoch. Die Lungenreifung sei erst im Alter von 20 Jahren abgeschlossen. Unnötig zu unterstreichen, dass bis zu diesem Zeitpunkt durch das Rauchen auch die Entwicklung der Lunge (Lungenvolumen etc.) beeinträchtigt wird.
Nikotin macht in zwei Wochen süchtig
Der Salzburger Lungenfacharzt verweist auf alarmierende Studienergebnisse, für die das Rauchverhalten von Lungenkrebspatienten analysiert wurde. Dabei zeigte es sich, dass es gar nicht so sehr darauf ankommt, wie viele Zigaretten man in Summe über die Jahre vor dem Ausbruch der Erkrankung geraucht hat, sondern entscheidend ist vielmehr, mit welchem Alter man mit dem Rauchen begonnen hat. Die aktuellen Statistiken würden diese Erkenntnisse weiter stützen, sagt Studnicka: "Die Lungenkrebspatienten werden immer jünger und sie sterben auch früher." Und: Nur 10 bis 15 Prozent der Lungenkrebsfälle seien heilbar. Ein Grund für diese schlechte Bilanz liege in den starken Verästelungen der Lunge, die Krebszellen könnten breit streuen. Dazu komme, dass auch Vorsorgeuntersuchungen, wie Computertomographie, nicht viel brächten. Man kann Lungenkrebs also auch im Frühstadium nur ganz schwer erkennen. In Österreich rauchen derzeit rund 2,3 Millionen Menschen. Etwa 50 Prozent davon werden voraussichtlich an den Folgen des Tabakkonsums sterben, verkündeten Lungenfachärzte dieser Tage. Harte Zahlen und Aussagen, die eigentlich jeden davon überzeugen müssten, nicht mehr zum Glimmstängel zu greifen. Doch wie die Realität zeigt, ist das ungemein schwierig. Denn: Rauchen ist eine Sucht. Michael Studnicka weist darauf hin, dass Nikotin innerhalb von zwei Wochen süchtig mache. "Das geht ungemein schnell, und man ist sich dessen auch nicht bewusst."
Rauchen, Alkohol und Drogen
Was zur Folge hat: Beginnen die Jugendlichen einmal regelmäßig zu rauchen, hören sie nach Aussagen Studnickas auch nicht mehr auf. Erst im Alter von 25 Jahren komme man wieder langsam mit sachlichen Argumenten an diese Menschen heran und könne versuchen, eine Verhaltensänderung zu bewirken. Daten aus den USA zeigen, dass Kinder, die rauchen, auch ein erhöhtes Risiko haben, einmal in eine Alkohol- oder Drogenabhängigkeit zu schlittern. Bei Alkohol sei das Risiko dreimal höher als bei nichtrauchenden Kindern, sagt der Leiter der Lungenabteilung am Salzburger LKH, bei Marihuana acht Mal und bei Kokain sogar 25 Mal größer. Da kann man - im Jargon der Jugendlichen - nur noch sagen: Rauchen ist voll uncool.
© SN.
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