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Im Jahr 2000 an 6200 Patienten neue Medikamente erprobt - Entwicklungen an das Land binden
WIEN (SN, APA).
Die Zahl der Klinischen Prüfungen in Österreich und der Patienten, an denen Wirksamkeit und Nebenwirkungen von neuen Medikamenten getestet wird, hat in den vergangenen Jahren kontinuierlich zugenommen: 1997 waren 2500 Patienten in einer Klinischen Studie, im Jahr 2000 bereits 6200. Dies geht aus einer Montag am Abend in Wien präsentierten Umfrage unter den Mitgliedern der Vereinigung pharmazeutischer Unternehmen "Pharmig" hervor.
Österreich wurde als Standort etabliert
Mediziner und Pharmaunternehmen werten dies als Zeichen dafür, dass es gelungen sei, Österreich als Forschungsstandort zu etablieren. Sie orten aber weiterhin administrative Hürden und fordern deren Beseitigung. "Ein medizinischer Fortschritt ist ohne Klinische Prüfungen nicht mehr vorstellbar", betonte der Onkologe Christoph Zielinski vom Wiener AKH die Bedeutung der Überprüfung der Arzneimittelsicherheit an Menschen. Patienten, die in eine Studie eingebunden sind, könnten erheblich profitieren: Sie würden intensiv von ihrem Arzt betreut und hätten die Möglichkeit, völlig neue, innovative Therapien zu erhalten. Es gebe aber, so Zielinski, ein "außerordentlich kompetitives Umfeld". Standortentscheidend seien Erleichterungen bei der Durchführung der Arzneimittel-Prüfungen. Das sieht auch Helmut Schuh von Boehringer Ingelheim Austria so, der angesichts der Kosten der Entwicklung eines Medikaments - Schätzungen gehen von etwa 800 Millionen Dollar (877 Mill. Euro) aus - betont, dass Studien dort durchgeführt würden, "wo es am schnellsten geht". Klinische Prüfungen sind der "Pharmig" zufolge mittlerweile der größte Kostenfaktor in der Arzneimittel-Forschung. In Österreich geben Pharmaunternehmen etwa vier Prozent ihres Umsatzes für derartige Studien aus. Hier orten die Experten aber ein enormes Entwicklungspotenzial, denn im internationalen Vergleich sei es doppelt so viel. Die Gesamtwertschöpfung der Klinischen Prüfungen beläuft sich bei den in der "Pharmig"-Erhebung befragten 15 Unternehmen auf 26 Mill. Euro, hochgerechnet auf die gesamte Branche in Österreich bedeutet dies einen Umsatz von 78 Mill. Euro.
Biotechnologie und die Biotech-Szene als Motoren
Eine besondere Dynamik auf dem Gebiet der Klinischen Studien erwarten sich die Experten durch die Biotechnologie und die in Österreich boomende Biotech-Szene. Gerade für diese Unternehmen sei es wichtig, betonte Zielinski, dass auch Klinische Prüfungen in einer sehr frühen Phase (Phase I und II) durchgeführt werden, in denen neue Medikamente erstmals am Menschen angewendet werden. "Nur so können Entwicklungen an das Land gebunden werden." Trotz Verbesserungen in den vergangenen Jahren sehen die Mediziner und Pharmaunternehmen weiteren Handlungsbedarf bei der Zulassung Klinischer Studien. Es müssten einheitliche und transparente Rahmenbedingungen für externe Kosten und Genehmigungsverfahren bei Klinischen Prüfungen geschaffen werden. Neue EU-Regeln könnten hier Erleichterungen schaffen. So sieht eine neue EU-Richtlinie vor, dass für die ethische Zulassung von Klinischen Prüfungen in einem Land nur mehr eine einzige Stellungnahme zählt. Bisher gab es bei Studien an mehreren Spitälern das Problem, dass die Ethik-Kommissionen der beteiligten Einrichtung ihre Stellungnahme abgegeben hatten, diese aber nicht immer einheitlich waren. "Ethik ist aber nicht teilbar", meinte Schuh. Nun müssen die EU-Mitgliedsländer Verfahren entwickeln, wie man zu einer nationalen Stellungnahme kommt, etwa durch eine Ethikkommission.
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