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Neue Medikamente können das Fortschreiten der Erkrankung womöglich bremsen - Frühe Therapie mit Dopamin-Agonisten
Eine - mögliche - Chance für Patienten, die wegen einer neu diagnostizierten Parkinson-Erkrankung eine medikamentöse Behandlung erhalten müssen: Neuere Medikamente, so genannte Dopamin-Agonisten, können eventuell das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Das erklärten vor kurzem Experten in Wien. Beim Morbus Parkinson kommt es zu einem ständigen Absterben jener Zellen in der Substantia nigra im Gehirn, wo der für die Bewegungskontrolle wichtige Nervenbotenstoff Dopamin gebildet wird. Univ.-Prof. Dr. Erwin Ott, Vorstand der neurologischen Universitätsklinik in Graz: "Bis zu einem Abbau dieser Zellen von weniger als 50 Prozent haben die Patienten zumeist keine Krankheitserscheinungen, bei einem Abbau von 70 bis 80 Prozent treten die Kardinalsymptome (Steifigkeit, Zittern, Bewegungsstörungen) auf." Untersuchungen am Gehirn von verstorbenen Parkinson-Patienten deuten bei diesen auf den erfolgten Untergang von bereits mehr als 90 Prozent dieser Zellen hin. Jahrzehntelang stand der "Ersatz" des im Gehirn fehlenden Dopamins durch die Einnahme einer Vorstufe des Neurotransmitters - L-Dopa - im Mittelpunkt der medikamentösen Behandlung. Univ.-Prof. Dr. Eduard Auff, Vorstand der neurologischen Universitätsklinik am Wiener AKH: "L-Dopa ist nach wie vor das zentrale Medikament. Es ist am stärksten wirksam, allerdings führt es bei einer relativ gro-ßen Zahl von Patienten zu Nebenwirkungen." Diese Langzeit-Komplikationen bestehen insbesondere in motorischen Störungen mit überschie-ßenden unwillkürlichen Bewegungen, die fast bis zu "Tänzen" führen können. Die positive Wirkung auf die Bewegungs-Koordination von L-Dopa kann stark zu schwanken beginnen. In den vergangenen Jahrzehnten haben deshalb am Dopamin-Rezeptor im Gehirn wirkende Substanzen, die selbst aber kein Dopamin sind, eine zunehmende Bedeutung in der Therapie erlangt. Diese wurden zunächst als Zusatz zu Dopamin verabreicht, um bei letzterem an Dosis zu "sparen". Univ.-Prof. Dr. Werner Poewe, Vorstand der neurologischen Universitätsklinik in Innsbruck: "Diese Substanzen faszinieren die Parkinson-Therapeuten seit gut 20 Jahren." Einen Durchbruch gab es vor einigen Jahren, als in einer groß angelegten klinischen Studie bewiesen wurde, dass die alleinige Behandlung von Parkinson-Patienten mit einem Dopamin-Agonisten nur bei fünf Prozent der Betroffenen zu solchen Langzeitkomplikationen führte. Der Prozentsatz solcher Nebenwirkungen bei reiner L-Dopa-Therapie lag bei 36 Prozent. Nachdem Laborexperimente und Versuche an Tieren mit dem modernsten nuklearmedizinischen bildgebenden Verfahren PET Hinweise ergeben hatten, dass die Dopamin-Agonisten möglicherweise eine schützende Wirkung gegen das Absterben der Dopaminproduzierenden Zellen im Gehirn haben könnten, wurde eine solche Studie mit Ropinirol durchgeführt. 68 Patienten mit neu entdecktem Morbus Parkinson erhielten durchschnittlich zwei Jahre lang den Dopamin-Agonisten. 58 Betroffene bekamen hingegen L-Dopa. Am Beginn und am Ende wurde per PET-Untersuchung das Volumen der Zellstrukturen im Gehirn der Patienten bestimmt, die Dopamin aufnehmen konnten. Das Ergebnis: Bei jenen Patienten, welche den Dopamin-Agonisten bekommen hatten, zeigte sich binnen zwei Jahren ein statistisch signifikant geringerer Abbau in den untersuchten Gehirnregionen im Vergleich zu L-Dopa-Patienten. Laut Poewe könnte sich daraus die Chance ergeben, dass man mit der Therapie eventuell einen günstigeren Verlauf der Erkrankung herbeiführt. Darauf wiesen jedenfalls die Befunde hin. Der Experte: "Wir können bis jetzt aber noch nicht sagen, was das bringt." Jedenfalls sollte ein allfällig vorliegender Morbus Parkinson auch möglichst früh als solcher diagnostiziert werden. In den meisten Fällen wird dann zunächst mit einer Dopamin-Agonisten-Monotherapie begonnen. Wenn das nicht mehr ausreicht, kommt L-Dopa hinzu.
(SN, APA)
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