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In den Bädern, auf Bahnhofstoiletten und in Raststätten lauern zahllose Keime auf ihre Opfer
Auf Toilettensitzen, auf Türklinken, auf den Seifenspendern und in den Handtüchern, auf Plastiksitzen und in den Duschen - die Liste von Orten, wo Bakterien und Viren "hocken" und auf ihre Opfer "warten", ist gerade in der sommerlichen Urlaubs- und Badezeit besonders lang. "Trotzdem kommt der Körper mit solchen Keimen ganz gut zurecht", beruhigt Manfred Rotter, Professor für Mikrobiologie am AKH in Wien. Vorausgesetzt man sei "kein Schweindl und wäscht sich die Hände, nachdem man auf der Toilette war". Denn anstecken könne man sich eigentlich nur, wenn man die dort aufgelesenen Keime in den Mund bekomme. "Da sind in einem Bad andere Sachen viel grauslicher", sagt Rotter. Wahre Keim- beziehungsweise Pilzherde seien etwa Plastiksessel im Bad, in denen vielleicht auch noch kleine Wasserlacken stünden. Sehr leicht könnten sich hier insbesondere Frauen einen lästigen Scheidenpilz oder sonstige Keime "holen". Auch Fußpilz sei in einem Schwimmbad ungleich leichter zu kriegen als etwa eine Durchfallerkrankung von der dortigen Toilettenanlage - "vorausgesetzt, man wäscht sich die Hände", betont nochmals der Hygieniker. Außerdem benötigen die Keime je nach Art eine bestimmte "Startzahl", um überhaupt im Körper wirksam zu werden. So brauche man etwa für die Ansteckung mit Cholera eine Keimzahl von 10, zur Ansteckung mit Ruhr genügten hingegen bloß ein paar hundert Keime, sagt Rotter. Insgesamt aber funktioniert das Infektionsabwehrsystem im Körper, um die typischen Darmerreger auf den stillen Örtchen erfolgreich zu bekämpfen. Die deutsche Fachhochschule für Krankenhaus- und Medizintechnik, Umwelt- und Biotechnologie wollte es genau wissen und untersuchte 202 öffentliche Sanitäranlagen in Autobahnraststätten, Bahnhöfen, Schwimmbädern, Sportzentren und Gaststätten auf ihr Infektionsrisiko. Dabei forschten die Wissenschafter nach Bakterien und Viren auf Toilettensitzen, Spülknöpfen, Armaturen, Händetrocknern, Türknöpfen und Seifenspendern. Die Wissenschafter entdeckten vor allem Bakterien, die Durchfallerkrankungen auslösen. Die höchste Keimbelastung haben der Studie zufolge die Toilettenanlagen in Schwimmbädern mit 80 Prozent. Die Gefahr, über die Haut auf Bahnhofstoiletten oder Autobahnraststätten mit Krankheitserregern in Kontakt zu kommen, ist mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent nicht viel geringer. Proben an verschiedenen Stellen der Sanitäranlagen ergaben, daß die Toilettensitze am stärksten von Keimen befallen sind. Die Waschtisch-Armaturen kamen auf Platz zwei. An dritter Stelle folgen die Knöpfe für die Toiletten-Spülung. Kinder, ältere Menschen und immungeschwächte Personen können sich in öffentlichen Sanitäranlagen leicht infizieren.
© SN.
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