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Gesundheit - Orthopädie

Wirbelsäule unter Druck
27. Dezember 2000 | 10:00

Stress schlägt nicht nur auf den Magen. Bei schlechter Stimmung am Arbeitsplatz und Frust beschwert sich so mancher Körper mit Rückenschmerz Immer mehr Menschen klagen über Magenbeschwerden, Migräne oder chronische Rückenschmerzen, ohne dass Mediziner eine organische Ursache dafür finden können. Häufig entpuppt sich dann Stress am Arbeitsplatz als Auslöser der gesundheitlichen Probleme: schlechtes Betriebsklima, unbefriedigende Aufgaben, Unzufriedenheit mit der eigenen Situation. Bei manchen hilft bereits eine Entspannungstherapie, und die Symptome verschwinden. Doch was macht die Betroffenen eigentlich krank, fragten sich William Marras und Catherine Heaney von der Ohio State University. Dabei konzentrierten sie sich auf den zentralen Halt unseres Körpers - die Wirbelsäule.
Ihre Freiwilligen, 25 Studenten, absolvierten zunächst einen psychologischen Test. Dieser so genannte Myers-Briggs Type Indicator basiert auf den Persönlichkeitstypen von C. G. Jung und unterscheidet beispielsweise zwischen extrovertierten und introvertierten Menschen. Insgesamt gibt es danach 16 verschiedene Menschentypen mit charakteristischen Eigenschaften, die dementsprechend auch verschieden mit Stress umgehen.
Anschließend mussten die Teilnehmer in Gegenwart des Versuchsleiters mehrmals eine etwa elf Kilogramm schwere Kiste mit einer bestimmten Geschwindigkeit hochheben. Die Wissenschafter verkabelten den Rücken der Studenten mit einem von Marras entwickelten Lumbar Motion Monitor, der verschiedene Informationen über den Bewegungsablauf aufzeichnete. Dazu gehörte auch die Geschwindigkeit, mit der die Probanden den Gegenstand stemmten - so konnten sie sich selbst während des Versuches kontrollieren. Im ersten Teil des Experiments durften sie dabei Musik nach Wunsch hören und wurden mit ermunternden Kommentaren wie "Gut gemacht!" oder "Bald haben Sie es geschafft!" angespornt.
Im zweiten Abschnitt jedoch verließ der Versuchsleiter den Raum und kam offensichtlich schlecht gelaunt zurück. Passend dazu hatte er keine anfeuernden Bemerkungen mehr für die schuftenden Freiwilligen, sondern begann, sie zu kritisieren. Außerdem berichtete er, Marras und Heaney seien mit den bisherigen Resultaten ausgesprochen unzufrieden. Zudem manipulierten die Forscher die Geschwindigkeitsanzeige, so dass die Freiwilligen nun den Eindruck bekamen, ihre Anstrengungen zeigten nicht das gewünschte Ergebnis.
Die Reaktion kam überraschend prompt. Nur zwei Studenten ließen die frustrierenden Bedingungen an sich abprallen und blieben unbeeindruckt. Bei den verbleibenden 23 ließ der Stress den Blutdruck steigen.
Zwei Gruppen jedoch, die "Introvertierten" und die "Intuitiven", reagierten noch ausgeprägter: Sie benutzten beim Heben nun auch Muskeln, die für die eigentliche Bewegung gar nicht nötig waren. Auf diese Weise erhöhten sich bestimmte Kräfte auf die Wirbelsäule - so wurde das Rückgrat um elf bis 14 Prozent stärker zusammengedrückt, während der Druck von der Seite um 25 beziehungsweise 27 Prozent zunahm.
Auf lange Sicht kann diese verstärkte Beanspruchung der Wirbelsäule schmerzhafte Folgen haben, meint Heaney. Dabei komme es offenbar stark auf die Persönlichkeit der Betroffenen an. Introvertierte Menschen neigen dazu, Probleme zu verinnerlichen, während Vertreter der "Intuitiven" nur ungern Routinearbeit machen. Die Forscher vermuten daher, dass die ersteren wahrscheinlich nicht mit dem scheinbaren Misserfolg umgehen konnten und letztere jegliche Lust auf Wiederholung verloren, als ihnen der Monitor eine Fehlleistung bescheinigte.
Heaney betont, dass es sich in ihrer Studie um Freiwillige handelte, welche die ungemütliche Situation nur eine absehbar kurze Zeit aushalten mussten. Menschen mit entsprechend unangenehmen Bedingungen am Arbeitsplatz dürften daher sehr viel stärker reagieren und ihre Wirbelsäule überbelasten. Das sollten besonders Angehörige der anfälligen Persönlichkeitstypen bedenken und sich aufmerksam um ihren Rücken kümmern beziehungsweise ihre Bewegungen überprüfen.

© SN.

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