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In Österreich könnten jährlich Millionen Euro an Medikamentenkosten eingespart werden. Dazu müsste nur viel öfter zu Generika gegriffen werden.
WIEN (SN-bm).
Ein Generikum ist ein Medikament, dass nach Ablauf eines Medikamentenpatentes "nachgebaut" werden darf. Es ist mit dem ursprünglichen Produkt ident, enthält also genau die gleichen Wirkstoffe in genau derselben Menge, heißt nur anders und - ist um vieles billiger. Die Medikamentenkosten in Österreich könnten drastisch reduziert werden, würden mehr Generika verordnet, sagt Johann Wimmer vom Österreichischen Generika-Verband. Erkennen kann der Laie ein Generikum nur am Preis und am gelegentlich etwas merkwürdigen Namen. Denn Generika dürfen keinen Fantasienamen tragen. Auf den Packungen wird nur schlicht der Wirkstoff angegeben. Es gebe in Österreich die Vereinbarung, dass Generika um bis zu 30 Prozent billiger sein müssten als das Ursprungsprodukt, so Wimmer. Andernfalls würden sie von den Krankenkassen ungern oder gleich gar nicht in die Arzneimittelliste aufgenommen. Unverständlich ist für ihn, warum die Kassen im Jahr 2000 für Medikamente gezahlt haben, bei denen zu 70 Prozent das Patent bereits abgelaufen war. "Bei diesen 70 Prozent hätte man ohne weiteres auf Generika zurückgreifen können", so Wimmer. Jedoch sei die Verschreibepraxis in Österreich mehr als schlecht. Nur neun Prozent aller ärztlichen Rezepte betreffen Generika. "Da hat der Arzt im Heilmittelverzeichnis ein günstigeres Produkt herausgesucht", so Wimmer. Würde man die Zahl der Verschreibungen nur auf 16 bis 17 Prozent erhöhen, käme das einer Ersparnis von 720 Millionen Euro jährlich gleich, so der Fachmann.
Generika für alle Standardtherapien
Generika sind vor allem für so genannte "Standardtherapien" erhältlich: Gegen Bluthochdruck, als Cholesterinsenker, als Antidepressivum, als Antibiotikum, um nur einige aufzuzählen. In zwei Jahren, so Wimmer, der in Österreich die große deutsche Generika-Firma "ratiopharm" vertritt, werde es in Österreich auch für Insulin ein Generikum geben. In Deutschland seien solche Produkte bereits erhältlich. Den Vorwurf, dass nach 20 Jahren - so lange dauert ein Patentrecht - ein medizinisches Produkt "überholt" sei, lässt Wimmer nicht gelten. Gerade für die gängigen Therapien, die sich nicht sehr viel änderten, böten sich Generika an. Heuer werde etwa allein auf dem österreichischen Pharmamarkt ein Umsatzvolumen von 70 Millionen Euro "patentfrei". Was Wimmer bedauert: Es fehle in Österreich jeglicher Steuerungsmechanismus, um zu kostengünstigeren Generika zu greifen. In anderen EU-Ländern, wie etwa in Deutschland, gebe es finanzielle Anreize für Ärzte, Apotheker und Patienten. In Italien sei man im Gesundheitswesen sogar gesetzlich dazu verpflichtet, zum adäquaten Generikum zu greifen, so eines vorhanden ist, sagt Wimmer.
© SN.
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