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Gesundheit - Medikamente

Erfolgreiche Täuschung

23. Februar 2002 | 10:00

Scheinpräparate wirken - aber nicht allein deswegen, weil einer daran glaubt - Denn die Placebos setzen biochemische Reaktion in Gang

Es ist verblüffend: Oftmals reicht es schon aus, ein Scheinpräparat mit harmlosen Inhaltsstoffen zu schlucken, um den erwünschten Effekt - die Linderung der Beschwerden - zu erzielen. Doch offenbar ist es nicht nur der reine Glaube an die Heilkraft jener Placebos, der Kranke wieder gesunden lässt. Denn die eigentlich wirkungslosen Substanzen wirken wirklich. Im menschlichen Gehirn aktivieren sie bestimmte Schaltkreise - ganz genau wie die echten schmerzstillenden Medikamente.

Bei Placebos handelt es sich um Medikamente, die streng genommen gar keine sind - schließlich enthalten sie keine medizinisch wirksamen Inhaltsstoffe, sondern lediglich harmlose Substanzen wie Stärke, Milchzucker oder Kochsalzlösung. Um so erstaunlicher, dass diese Attrappen nicht selten tatsächlich eine Wirkung zeigen. Allein dem festen Glauben des Patienten an seine Genesung ist es offenbar zuzuschreiben, dass derartige Mittel anschlagen und die gewünschten Effekte zeigen. Oder sollten jene Leerpräparate etwa doch nicht ganz unbeteiligt an dem Heilungsprozess sein?

Möglicherweise greifen die Placebos in dieselben Schaltkreise ein, wie es auch die Opioide, schmerzlindernde Medikamente, tun, spekulieren Wissenschafter. Bisher lag für diese Hypothese lediglich indirektes Beweismaterial vor: So blieben die Placebos beispielsweise wirkungslos, wenn Substanzen die entsprechenden Schaltungen blockierten, auf welche die Schmerzhemmer gewöhnlich einwirken. Nun gelang es aber um Martin Ingvar vom Karolinska Institute in Stockholm, den Scheinmedikamenten bei der Arbeit zuzusehen.

Mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomographie beobachteten die Forscher die Gehirne von neun Männern, auf deren Handrücken eine 48 Grad Celsius warme Metalloberfläche gedrückt wurde. Anschließend erhielten die Versuchspersonen entweder schmerzstillende Opioide oder reine Placebos.

Und der Vergleich der Gehirnmuster beider Versuchsgruppen bestätigte die langgehegte Vermutung der Wissenschafter: Sowohl die Original-Schmerzmittel als auch die Scheinpräparate verstärkten den Blutfluss in Gehirnbereichen, die reich mit Opioidrezeptoren ausgestattet sind: dem Hirnstamm und dem rostral anterioren cingulären Cortex (ACC).

Zudem zeigten jene Probanden, die am stärksten auf die Placebos ansprachen - laut ihrer eigenen Einschätzung der Schmerzminderung auf einer Skala von null bis hundert -, im Bereich des rostralen ACC eine höhere Aktivierung durch das Mittel.

Offenbar haben es also auch harmlose Placebos in sich: Obwohl ihnen die entsprechenden Wirkstoffe fehlen, vermögen sie dennoch biochemische Reaktionen in Gang zu setzen. Vermutlich verfügen Menschen, bei denen die Leerpräparate gut anschlagen, über ein effizienteres Opioid-System.

Und - wie Fabrizio Benedetti von der Universita` degli Studi di Torino hervorhebt - es untermauere die Studie schließlich die These, dass der Placebo-Effekt möglicherweise eine Rolle bei allen Schmerzbehandlungen spielt.

(SN, Ticker)

© SN.

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