| Der Meistertitel in der Bundesliga ist für Red Bull nur eine Zwischenstation. Die Salzburger wollen in Zukunft international eine gute Rolle spielen.
HANNES WINKLBAUER Interview Red-Bull-Teamchef Giovanni Trapattoni verriet beim Trainingslager in Dubai, was er von einem perfekten Fußballer verlangt und wie er Salzburg zu einer auch international erfolgreichen Truppe formen will. Und der erfolgreichste Trainer der Welt fordert mehr Geduld der jungen Spieler und adelte Torjäger Alexander Zickler.Seit Jahren fehlt Salzburg ein Offensivspieler mit Ideen und Torinstinkt. Und auch einen zweiten Topstürmer könnten die Bullen gut gebrauchen. Doch stattdessen holten Sie nun zwei Verteidiger aus Japan. Warum das? Trapattoni: Wir müssen die Mannschaft von der Abwehr aufbauen. Miyamoto und Alex sind daher ganz wichtige Spieler für die Zukunft. Im Sommer wollen wir den nächsten Schritt machen. Werden dann ein Spielmacher und ein Torjäger kommen? Trapattoni: Ja, vorausgesetzt, die Spieler erfüllen alle Ansprüche. Für Zickler werden wir bald einen Ersatz brauchen, denn er ist nicht mehr der Jüngste. Aber das wird nicht einfach sein. Denn er ist zurzeit besser als je zuvor, besser als bei den Bayern. Und der Mann hinter der Spitze, muss Spielintelligenz haben, aber auch Biss, und er muss torgefährlich sein. Auf jeden Fall planen wir weiter mit Marc Janko, er ist talentiert, kopfballstark und ehrgeizig.Was fehlt noch im Team, um international auch gegen große Klubs bestehen zu können? Trapattoni: Nicht viel, auf den Außenbahnen sind wir gut besetzt. Vielleicht brauchen wir noch einen weitern Mittelfeldspieler, der neunzig Minuten marschieren kann.Werden außer Marc Janko noch andere junge Spieler eine Chance bekommen? Trapattoni: Das ist nicht einfach. Denn wir brauchen Siege. Und dafür braucht man eine routinierte Mannschaft. Die jungen Spieler müssen Geduld haben, aber die fehlt ihnen oft. Sie bekommen viel Geld. Und wenn sie nicht spielen, werden sie gleich von ihren Managern weiter transferiert, denn das bringt Geld. Aber das ist ein ganz großes Übel.Sie sind schon sehr lange Trainer und sehr erfolgreich. Was hat sich im Laufe der Zeit geändert? Trapattoni: Vieles. Es gibt viel mehr Geld, die Spieler stehen immer mehr in der Öffentlichkeit, sie sind nicht nur Fußballer, sondern Stars, Kapital und Werbeträger der Klubs. Aber auch für den Trainer hat sich enorm viel verändert. Früher hat ein Trainer trainiert und aufgestellt. Heute ist er Manager, er muss repräsentieren, die Medien bedienen - und er soll, wenn möglich, jedes Spiel gewinnen und die Spieler bei Laune halten. Das ist nicht einfach, das können sie mir glauben. Was machte eine gute Mannschaft aus? Trapattoni: Die Mannschaft, die wenig Fehler macht, wird acht von zehn Partien gewinnen. Das bedeutet nicht, dass wir nur verteidigen wollen, es bedeutet nur, dass wir aufpassen müssen, dass wir nicht durch einen einzigen Patzer ein Spiel verlieren. Zum Beispiel wie in Valencia durch Jorge Vargas. Nur ein einziger Fehler, und die Chance auf die Champions League war weg.
Werden Sie im Frühjahr auch mit zwei Stürmern spielen? Trapattoni: Ja, wir werden auch das probieren. Aber dazu müssen wir freilich ein funktionierendes Kollektiv verändern. Das kann sehr gefährlich sein. Wie sieht für Sie der perfekte Fußballer aus? Trapattoni: Er muss stark am Ball sein, aber das ist ohnehin klar. Aber es gibt zu wenig Spieler, die am Ball alles können. Und ein perfekter Spieler muss intelligent sein und Charakter haben. Das bedeutet, er muss eine Siegermentalität besitzen. Das ist nicht einfach. Solche Spieler muss man erst finden. Aber solche Spieler braucht man, wenn man auf höchster Ebene gewinnen will. Und letztlich zählen nur Siege. Ja, so ist der Fußball, das dürfen wir nicht vergessen.
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