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Ausverkauf der Tradition
30. Juli 2005 | 11:00

Die violetten Fans rebellieren gegen die Missachtung ihrer Wünsche. Der Streit eskaliert immer mehr. Nur Dietrich Mateschitz kann für eine Lösung sorgen.

hannes WinklbauerSalzburg (SN). Als Red Bull im Frühjahr die Salzburger Austria übernommen hat, war der Jubel groß. Denn der Weltkonzern hatte den Fans einen nie da gewesenen Höhenflug versprochen - und als Beweis dafür gleich einen Topspieler nach dem anderen verpflichtet. Auch die Generalversammlung hatte die Machtübernahme einstimmig für gut geheißen, nicht zuletzt, weil Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz die Wahrung der Vereinsfarben versprochen hatte. Wenige Tage später traten die Bullen in rot-weißen Farben an. Das empörte die eingefleischten Fans. Zwar hatte bereits in den 70er Jahren der Klub Gerngross A. Salzburg geheißen und fallweise sogar mit grünen Dressen gespielt, doch unter welchen Namen auch immer Salzburgs Vorzeigeklub im Vereinsregister eingetragen war, er war die Austria. Und die Austrianer waren die Violetten. Das ist nun nicht mehr der Fall. Und es ist vor allem die Arroganz, mit der der Weltkonzern die Tradition des Klubs ignoriert, durch die sich die Fans missachtet fühlen.

Dabei hatte die Austria Großartiges geleistet. So fanden die Europacupspiele gegen Inter, Karlsruhe, Frankfurt und Milan im jeweils mit 48.000 Zuschauern ausverkauften Wiener Happel-Stadion statt. Und Zehntausende waren zu den Auswärtsspielen gefahren, hatten oft enorme Kosten und Strapazen auf sich genommen, um ihre Lieblinge zu sehen. Red Bull Salzburg hat sogar diese Großtaten aus der Homepage gelöscht.

Für den Großteil der Stadionbesucher mag die Geschichte des Vereins nebensächlich sein, ihnen genügt es, wenn die Mannschaft guten Fußball zeigt. Anders ist das bei den Mitgliedern der Fanklubs. Sie finden im Umfeld des Vereines Sicherheit, Anerkennung, Wertschätzung. Diese meist jugendlichen Fans haben nun Angst um ihre Welt, sie fürchten von den neuen Klubherren überrollt zu werden, zumal ihnen signalisiert wird, dass auf sie kein Wert mehr gelegt wird. Die daraus entstehenden Konflikte sind auch identitätsstiftend, wie der Sportpsychologe Thomas Wörz erklärt. Wenn man diese Leute an den Rand drückt, werden sie aggressiv. "Es wäre daher besser, sie in den Klub einzubinden", rät Wörz.

Es stimmt ganz und gar nicht, wenn Kurt Jara sagt: "Die Fans müssen froh sein, dass sie überhaupt auf den Platz gehen dürfen." Denn es waren die Austria und ihre Fans, die dafür gesorgt haben, dass Red Bull einen Bundesligaklub übernehmen konnte.

Tatsache ist andererseits aber auch, dass die Austria abgewirtschaftet hatte, Dietrich Mateschitz ihr das Leben gerettet und eine Topmannschaft auf die Beine gestellt hat. Tatsache ist aber auch, dass der Streit zwischen den Traditionalisten und der neuen Klubführung immer mehr eskaliert, dass radikale Fans ihn als Vorwand für Gewaltexzesse nützen, und dass der Klub über harmlose Zuschauer ein Stadionverbot verhängte.

Die einzige Lösung ist, die Tradition der Austria und die Ziele von Red Bull Salzburg miteinander zu verbinden. Aber das kann nur Dietrich Mateschitz, denn ihm gehört der Klub.

© SN/APA.

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