| TV-Showmaster Harald Schmidt führte am Mittwoch für die ARD durch den "Figaro"-Abend. Im Interview erzählt er vom Spaß an der Welterklärung.
Bernhard FlieherPIERRE A. WALLNÖFERSalzburg (SN). Mit Playmobilfiguren erklärt Late-Night-Talker Harald Schmidt in seiner Show seit Jahren immer wieder die große Theaterwelt. "Aida" und "Faust" zum einfachen Gebrauch. "Ich finde schön, dass die Festspiele extra ,Figaro‘ ins Programm nehmen, weil mit den Playmobilfiguren waren wir jetzt durch", sagt Schmidt im SN-Interview am Mittwochnachmittag im Hotel Sacher, kurz vor der "Figaro"-Premiere. "Mit Weltstars ist das schon eine andere Sache."
Schmidt führte die Seher der ARD am Mittwoch durch die Liveübertragung von den Salzburger Festspielen. Mit "Figaro" habe man halt den "zu erwartenden Höhepunkt" genommen, weil's ja darum gehe, viele Leute zu erreichen. "Im Grund ist Theater und Oper ja nix für die breite Masse." Und weil das so ist, fand Schmidt einen idealen Job: Er fungiert als Erklärer einer Welt, in der sich die Unterschiede zwischen Pop und Klassik, Fußball und Festspielen, Pornostar und Preisverleihungsshow, Superstar und Statist längst aufgelöst haben.
Bürgerliche Bildung und popkulturelle Prägung vermengen sich zu einer gleichen Welt. Damit jemand kapiert, worum es geht, kommt es nur darauf an, wie man darüber erzählt - und wer es tut. "Genau! Das ist die Rolle. Ich bin Besserwisser und Klugscheißer." Vor allem mache er solche Sachen "aus Spaß". "Ich kann mir halt zehn Sätze hintereinander merken, weiß, wie man auf eine Bühne geht, und dann ist schon Feierabend. Da bin ich aber schon in einer elitären Stellung im deutschen Fernsehen, und darum mach ich alles von Olympia über Fußball-WM bis Festspiele."
Zwei Mal habe Schmidt zur Vorbereitung seines zweitägigen Salzburg-Gastspiels das Libretto von "Figaro" gelesen. Dazu sei "ein bisschen Sekundärliteratur" und eine CD-Einspielung gekommen, um herauszufinden, was "für die Fans die Highlights sind". Es gehe nur darum zu erklären, "was da los ist in dem Stück". Für jene, die die Oper nicht kennen, will Harald Schmidt da sein. "Das ist ja doch alles sehr verwirrend. Da ist doch wahnsinnig viel los in dem Stück. Und es wird noch dazu italienisch gesungen", sagt er. "Und da spring ich halt ein und geb grobe Orientierung, dass man halt auch beim ersten Sehen mitkriegt, was da passiert."
Eine besondere Beziehung zu "Figaro" oder Mozart habe er nicht. "Auch nicht zu Salzburg. Na ja, da hab ich mal den Salzburger Stier bekommen, aber den hat mittlerweile ja auch schon jeder."
Und wie sieht es mit der klassischen Musik überhaupt aus? "Ich hab ja Klavierspielen gelernt und insofern gelt ich im Fernsehen als Klassikmusikkenner - was ich ja für Fernsehverhältnisse auch bin."
Vor etwa 30 Jahren war Salzburg für Schmidt eine Station auf einer Interrailreise. Er ergatterte Stehplatzkarten für "Jedermann" mit Curd Jürgens und Senta Berger als Buhlschaft. "Dass ich 30 Jahre später hier ein kleiner Teil bin, das ist für mich eine sensationelle Sache."
Für die aufwändige Liveübertragung warb die ARD am Mittwoch mit Inseraten in deutschen Zeitungen. Zu lesen war da in Großbuchstaben und dieser Reihenfolge: "Netrebko - Salzburg - Figaro - Live." "Ich find fantastisch, dass da Mozart nicht vorkommt. Er hat mit dieser Oper ja wirklich nix zu tun, oder?", sagt Schmidt.
Wie war der nahe Kontakt zu Anna Netrebko, dem aktuellen Popstar der Oper? "Na ja, für mich ist sie in erster Line Österreicherin. Das war immer schon mein Gefühl: Die besten Österreicher sind Russen. Und was für ein Glück, dass die Einbürgerung auch noch mit dem Premierentermin zusammenfällt."
Einer künstlerischen Wertung der Figaro-Aufführung enthält er sich. "Ich muss nur erzählen, was passiert, bei allen anderen Sachen kenn ich mich ja nicht aus." Nur so viel noch: "Mein Eindruck ist halt, dass der Cherubino eine Mischung aus Florian Silbereisen und Hansi Hinterseer ist, aber singen kann er."Ein weiterer Teil dieses Interviews erscheint am Samstag auf der TV-Seite.
© SN/APA.
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