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Von Bruder Baum ist nicht die Rede!
10. Februar 2007 | 10:00

Als die Grün-Bewegung ihre ersten Schritte wagte, gelang ihr ein seltener Erfolg: Sie konnte im alltäglichen Sprachgebrauch einen neuen Ausdruck verankern, das Wort vom "Bruder Baum". Vom Bruder Baum ist in jüngster Zeit kaum die Rede. Vermutlich aus gutem Grund.

Naive Betrachter des Klimawandels fragen sich, warum nicht auf den übermäßigen Ausstoß an Kohlenstoffdioxid mit einer umfassenden Aufforstung reagiert wird. Schließlich nehmen die Bäume das Gas auf, brauchen es für ihren Bestand und ihr Wachstum und tragen somit zur Entschärfung des Klimaproblems bei. Sie würden sich somit als außerordentlich hilfreiche Brüder erweisen.

Diese harmlos klingenden Einwände lösen bei den Klimaschützern wütende Proteste aus. Ja, da zeige sich wieder der schlechte Charakter der Menschen, die nicht bereit wären, selbst für den Klimaschutz einzustehen. Der Hinweis auf die Bäume sei nur eine Einladung an die Politiker, sich der Verantwortung zu entziehen. Und überhaupt, würde man etwa ganz Deutschland aufforsten, könnte man nicht einmal die Hälfte der CO2 -Belastung neutralisieren.

Es geht also um die Änderung der Menschen. Nun ist die Liste der möglichen und notwendigen Korrekturen tatsächlich lang und reicht vom Einsatz benzinsparender Autos in den USA bis zur stärkeren Nutzung der Pendlerzüge in Österreich. Die Grenze des Zumutbaren ist aber erreicht, wenn etwa der Club of Rome bezweifelt, dass den Chinesen der gleiche Energieverbrauch zugestanden werden könne wie den Westeuropäern. Die Aufforderung zur Diskriminierung anderer, um die eigene Prasserei zu sichern, ist menschenverachtend und empörend.

Die Chinesen und alle anderen aufstrebenden Völker werden sich derartige Beschränkungen auch nicht bieten lassen und so wird der Energieverbrauch weiter steigen und folglich der Kohlendioxid-Ausstoß zunehmen und der Treibhauseffekt stärker werden. Die Klimapolitik wird es sich somit nicht leisten können, auch nur auf einen einzigen Beitrag zur Verringerung der CO2 -Belastung zu verzichten. Die jüngste Entwicklung der Landwirtschaft ist in diesem Zusammenhang sogar hilfreich.

Der moderne Ackerbau erzielt im Gefolge einer enormen Produktivitätssteigerung beachtliche Erträge auf verhältnismäßig kleinen Flächen. Somit kann die Landwirtschaft auf Gebiete verzichten und dem Wald überlassen. Dies geschieht in der Praxis ohnehin, da viele Bauern aufgeben und Felder nicht weiter bewirtschaftet werden.

Die unkoordinierte Entwicklung sollte einer gezielten Aufforstung weichen. Die sinnvolle Nutzung der undifferenziert abgelehnten Gentechnik könnte die Produktivität der Landwirtschaft zusätzlich steigern und weitere Flächen für den Forst frei machen.

Unter einem würde man die historischen Umweltsünden korrigieren: Von der Vernichtung der Wälder des Mittelmeerraums im Altertum. Bis zur Nutzung jedes verwendbaren Fleckchens Erde für den Getreideanbau im zwanzigsten Jahrhundert, der nicht zuletzt hemmungslos betrieben wurde, um nur ja keinen Marktordnungsgroschen ungenützt zu lassen.

© SN/APA.

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