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Die Flut an Informationen ist ein entscheidendes Merkmal der Gegenwart. Zeitungen, Radio, Fernsehen, Seminare, Reisen und das Internet überschwemmen das Publikum mit zahllosen Anregungen. Das enorme Angebot des Internets rückt dieses jüngste Medium in den Mittelpunkt und scheint täglich zu beweisen, dass das Wort von der "Informationsgesellschaft" berechtigt ist.
Die Realität sieht anders aus. Das Interesse der Öffentlichkeit konzentriert sich stets auf sehr wenige Themen. Und diese wenigen Themen erfahren zudem nur selten eine differenzierte Betrachtung. Sehr rasch setzt sich eine Meinung durch, die eher unreflektiert übernommen wird. Weder die wenigen Themen noch die vereinfachte Sichtweise werden den tatsächlich wesentlichen Fragen gerecht. Es erfolgt eine Reduktion auf das Unwesentliche, von einer "Informationsgesellschaft" kann also nur schwer die Rede sein.
Dieses Phänomen wird gerne als Kulturkrise beklagt. Zu Unrecht. Jeder ist in seinem Bereich gefordert, optimale Leistungen zu erbringen, für die er ein umfassendes und sich ständig erneuerndes Wissen benötigt. Diese Herausforderung ist nur mit einem hohen intellektuellen Einsatz zu bewältigen, der die vergleichbaren Vorgaben früherer Generationen weit übertrifft.
Von einer Kulturkrise kann somit keine Rede sein, im Gegenteil. Der oder die Einzelne, die in ihrem eigenen Wirkungsbereich den Wettbewerb um die bessere Leistung und das größere Wissen bestehen müssen, haben nicht die Zeit, um sich auch in die großen Themen der Welt, also in das so genannte Wesentliche zu vertiefen.
EU-Verfassung, Gesundheitswesen, Pensionsreform, Irak-Krieg, Chinas Rohstoffverbrauch, Erderwärmung, Putin, Bush, Nahost-Krise oder Islamismus wären so einige Bereiche, über die doch jeder Bescheid, fundiert Bescheid wissen sollte. Dazu sind allerdings nicht einmal die ausgewiesenen Spezialisten leicht in der Lage.
Die Reduktion auf das Unwesentliche ist somit kein Ausdruck einer Kulturkrise, sondern ein sehr banales Ergebnis der "Leistungs- und Wissensgesellschaft", das zu beklagen wenig Sinn macht. Zumal diese selben Umstände ein weiteres Ergebnis bewirken, das das erste entscheidend korrigiert: Die Bewältigung der Herausforderungen in einem - gleichgültig welchem - Sachbereich bewirken, dass jeder Einzelne lernt, Probleme zu erfassen und Lösungen umzusetzen. Die Leistungs- und Wissensgesellschaft ist eine tagtägliche Schule der Intelligenz.
Das Rüstzeug für den differenzierten Umgang auch mit den großen, wesentlichen Themen ist folglich heute stärker verbreitet als je zuvor. Die ständige Beschäftigung mit diesen Fragen scheitert zwar am Zeitmangel, ergibt sich aber eine persönliche Betroffenheit, dann ist die Öffentlichkeit sehr wohl zu einer differenzierenden Analyse und zu klaren Schlussfolgerungen in der Lage.
Diese Tatsache müssen Politiker und Führungskräfte in anderen Bereichen schmerzhaft zur Kenntnis nehmen, wenn sie die Reduktion auf das Unwesentliche als Ausdruck der allgemeinen Dummheit missverstehen.
© SN/APA.
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