|
Gesucht werden tüchtige Gewerkschafter, die sich für alle Arbeitnehmer, auch für geringfügig Beschäftigte und für Arbeitslose, einsetzen und die Erfordernisse der Unternehmen berücksichtigen. Einsatzort: Der Globus.
Vor wenigen Tagen konnte man den Eindruck gewinnen, dass ein derartiges Inserat schon weltweit verbreitet wurde und auch den gewünschten Effekt erzielt hätte: Nach langem Mühen gründeten Gewerkschafter aus zahlreichen Ländern bei einer internationalen Tagung in Wien einen weltumspannenden Gewerkschaftsbund.
Endlich scheinen die Arbeitnehmervertreter zu verstehen, dass sie nicht tatenlos zuschauen können, wie die Unternehmen global agieren und die Gewerkschaften sich in lokalen Kleinkriegen verzetteln.
Die Freude über gute Nachrichten aus der Gewerkschaftsbewegung ist meist nur von kurzer Dauer. Prompt folgt eine Bestätigung des weit verbreiteten Vorurteils, das die Gewerkschafter als stur, verständnislos und wirtschaftsfeindlich verteufelt. Unweigerlich wird die Erinnerung an die legendäre britische Premierministerin Thatcher wach, die mit einem eindrucksvollen Kraftakt die Übermacht der britischen Gewerkschaften gebrochen hat.
Zu Recht: Es galt die Lähmung der Betriebe zu beenden. Mit dem Effekt, dass das Pendel in die Gegenrichtung ausgeschlagen hat und heute die britische Arbeitnehmervertretung zu schwach ist.
In der vergangenen Woche hat die amtierende deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel leider gezeigt, dass sie nicht das Format der großen Britin hat. Wieder einmal wurde versucht, das Grundübel der deutschen Wirtschaft, den übertriebenen Kündigungsschutz zu beseitigen. Wieder kam die Forderung vom Wirtschaftsminister, der derzeit vom konservativen Lager gestellt wird. Sein sozialdemokratischer Vorgänger hatte vor einigen Jahren die genau gleiche Forderung erhoben.
Kündigungsschutz schafft Arbeitslosigkeit. Da Unternehmen Mitarbeiter kaum kündigen können, gibt es zwei fatale Reaktionen: Sie nehmen möglichst wenig Mitarbeiter auf. Und sie verringern nicht die Personalstände in den Betrieben in dem jeweils benötigten Umfang, wodurch verbleibende Arbeitsplätze gerettet würden, sondern sie schließen ganze Werke.
Die Lösung, die sich auch in Österreich bewährt, ist die Möglichkeit der Kündigung gekoppelt mit Kündigungsfristen, Abfertigungen und einer effizienten Arbeitslosenversicherung. Die deutschen Gewerkschafter gehen aber für den bestehenden, nachweisbar Arbeitsplätze vernichtenden Kündigungsschutz auf die Barrikaden. Der "rote" Bundeskanzler Gerhard Schröder ging in die Knie und nun tut die "schwarze" Kanzlerin Angela Merkel das Gleiche.
Schwache Regierungen und sture Gewerkschafter können weder auf lokaler noch auf globaler Ebene konstruktive Lösungen für die Arbeitnehmer und somit für die gesamte Wirtschaft erreichen. Weder nationale noch internationale Bünde bieten als Institutionen befriedigende Lösungen.
Es gilt folglich weltweit: Tüchtige Gewerkschafter gesucht! Und nicht nur das: Mutige Kanzler und Kanzlerinnen gesucht!
© SN/APA.
|