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SALZBURG (SN, APA). Schön und berührend, so wie Beethovens Fidelio halt ist. Das war die Premiere dieser Oper bei den Salzburger Osterfestspielen, am Samstag im Großen Festspielhaus. Regisseur Nikolaus Lehnhoff inszenierte wenig, auch das Bühnenbild von Raimund Bauer war auf ein einziges Bild in einer einzigen Farbe reduziert: Grau. Der künstlerische Leiter der Osterfestspiele, Sir Simon Rattle, dirigierte die Berliner Philharmoniker und ein prominent besetztes Solistenensemble.
Lehnhoff und Bauer ließen die Geschichte um Machtwillkür, Freiheitsberaubung und die Liebe einer Frau zu ihrem aus politischen Gründen eingesperrten Mann für sich allein sprechen und nahmen sich selbst bis zur Unsichtbarkeit zurück. Die gesamte Oper spielte in einem einzigen, räumlich bedrohlich wirkenden Bühnenbild in Orwellschem Diktatoren-Grau. Außer der in leuchtendem Gelb gehaltenen Zwangsjacke und der roten Schuhe der heiratswilligen Marzelline "störte" kein einziger Farbtupfer. Dieser Fidelio lebte ausschließlich durch Beethoven, die Geschichte von Joseph Sonnleithner und Georg Friedrich Treitschke und das schauspielerische und musikalische Talent des Ensembles.
Rattle, die Berliner Philharmoniker, der Arnold Schönberg Chor und die Sänger drückten sich (notgedrungen) nicht um die Interpretation. Am schönsten war wohl die feine Balance zwischen Orchestergraben und den Sängern auf der Bühne. Dynamische Rücksichtnahme und dennoch Kraft und Wucht, göttliche Piani und zielstrebige Tempi machten herbe Abstimmungsschwierigkeiten in der Ouvertüre schnell vergessen.
Die Solisten, Angela Denoke (Leonore, im SN/Wild-Bild) - sie bekam am Ende verdienterweise den meisten Applaus - Thomas Quasthoff (Don Fernando) in seinem Opernbühnendebüt, Jon Villars (Florestan), Laszlo Polgar (Rocco), Juliane Banse (Marzelline), Rainer Trost (Jaquino) und Alan Held (Don Pizarro) bewiesen, dass sie zur Zeit zu den gefragtesten Sängern der Welt gehören. Sie sangen und agierten überzeugend, auch wenn erhebliche Intonationspatzer (besonders Denoke und Villars) nicht unerwähnt bleiben dürfen.
Das Publikum nahm diese Premiere - wie fast schon üblich - unterschiedlich auf. Heftige Buh-Rufe setzten sich gegen die Bravos am Ende aber nicht durch. Tatsächlich ist die partielle Ablehnung unverständlich. Denn mehr Beethoven und weniger eigenständige und damit riskante Deutung geht kaum noch. Christoph Lindenbauer
© SN.
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