|
SALZBURG (SN, APA). Prof. DDr. Franz Josef Radermacher hat am Montag von Salzburgs LH Gabi Burgstaller (SP) den Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung 2005 überreicht bekommen. Auf Vorschlag der Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen erhielt Radermacher den mit 7.267 Euro dotierten Preis. Geehrt wird der Leiter des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung in Ulm für sein Engagement für einen Global Marshall Plan zur Überwindung der Armut in der Welt.
Radermacher sei ein würdiger Preisträger: Er ist nicht nur ein Vorzeigewissenschafter der Bereiche Mathematik und Wirtschaft, in zahlreichen Institutionen verankert und Autor von mehr als 200 wissenschaftlichen Arbeiten aus den Bereichen angewandte Mathematik, Operations Research, angewandte Informatik, Systemtheorie, Technikfolgenforschung, Ethik und Philosophie, sondern auch der Vater des Global Marshall Planes, erklärte Burgstaller bei der Überreichung.
Der Global Marshall Plan bedeutet eine Anschubfinanzierung für die ärmsten Länder der Welt in Anlehnung an die Unterstützung für Europa nach 1945. Statt Almosen sollen Weltsteuern etwa auf Handels- und Finanztransaktionen die Finanzierung von Entwicklung ermöglichen. Das Ziel ist eine faire Globalisierung durch internationale Kofinanzierung, um damit Millenniumsziele der Vereinten Nationen zur Überwindung der weltweiten Armut sowie die globale Durchsetzung ökologischer, sozialer und demokratiepolitischer Standards zu erreichen (www.globalmarshallplan.org).
Radermacher, Jahrgang 1950, studierte Mathematik und Wirtschaftwissenschaften. 1974 und 1976 in beiden Fächern promovierend, folgte 1982 seine Habilitation in Mathematik an der RWTH Aachen. Von 1983 bis 1987 war er Professor für Angewandte Informatik an der Universität Passau, seit 1987 ist Franz Josef Radermacher Leiter des Forschungsinstituts für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung (FAW) in Ulm. Gleichzeitig hält Radermacher eine Professur für Datenbanken und Künstliche Intelligenz an der Universität Ulm. Seine langjährige Auseinandersetzung mit Fragen einer global zukunftsfähigen Entwicklung führte den Mathematiker zum Engagement für eine sozial und ökologisch austarierte Weltentwicklung, das er in Publikationen und insbesondere durch Mitwirkung in zahlreichen Initiativen und Kommissionen sowie der Mitbegründung der Global Marshall Plan-Initiative zum Ausdruck bringt.
Der Salzburger Landespreis für Zukunftsforschung wird seit 1993 alle drei Jahre vergeben. Bisherige Preisträger waren Robert Jungk, Dorothee Sölle, Jakob von Uexküll und Luise Gubitzer.
© SN.
|