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Salzburg

Information im „Fall Marterbauer“ gefragt

10. August 2005
Ansturm auf Beratungstellen von Arbeiter- und Wirtschaftskammer. Konkursverfahren eröffnet.

SALZBURG (SN). Über die Skandal umwitterte Immobilienfirma Peter Marterbauer GmbH wurde am Mittwoch vom Landesgericht Salzburg das Konkursverfahren eröffnet. Zum Masseverwalter wurde Rechtsanwalt Wolfgang Lirk und als dessen Stellvertreter Rechtsanwalt Johannes Hirtzberger bestellt, Das teilte der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) mit. Das Unternehmen ist bekannt als eine der größeren Hausverwaltungen in Salzburg. Bereits seit April dieses Jahres waren diverse Konkurseröffnungsanträge gegen die Peter Marterbauer GmbH anhängig, nunmehr - nach dem Freitod des geschäftsführenden Gesellschafters - wurde das Konkursverfahrens eröffnet.

Als Besonderheit sei anzumerken, dass hier mit einer unbekannten Anzahl potenzieller Gläubiger zu rechnen ist, welche über ihre eigene Gläubigerstellung noch gar nicht Bescheid wissen, heißt es beim AKV. Der Grund liege darin, dass die Peter Marterbauer GmbH eine Vielzahl von Hausverwaltungen innehat und hier nunmehr durch den bestellten Masseverwalter bzw. dessen Stellvertreter zu überprüfen sein wird, ob bzw. in welcher Höhe in jedem einzelnen Hausverwaltungsfall die jeweiligen Konten der Hausgemeinschaft eine ordnungsgemäße Deckung aufweisen.

Es ist daher davon auszugehen, dass erst nach und nach die Anzahl sowie Höhe der Gläubigerforderungen feststehen wird. Das Konkursverfahren betrifft vorerst einzig und allein die Peter Marterbauer GmbH und nicht den verstorbenen Peter Marterbauer selbst. Ob hier gegebenenfalls ein Verlassenschaftskonkursverfahren zu eröffnen sei, bleibe den weiteren Untersuchungen vorbehalten.

Bei der Polizei sei derzeit noch keine Anzeige eingelangt, doch er gehe davon aus, dass alles noch überprüft wird und dass entweder über das Konkursverfahren oder von der Arbeiterkammer eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft oder Kriminalpolizei erfolgen werde, sagte Rudolf Feichtinger von der Polizei.

Im "Fall Marterbauer" laufen bei den Beratungsstellen der Salzburger Arbeiterkammer und der Wirtschaftskammer die Telefone heiß. Im Schnitt hatten die Berater der AK am Mittwoch im genannten Fall 35 Anrufe Hilfesuchender pro Stunde zu behandeln. Dazu kamen noch Bitten um Ratschläge per Mail und Fax. Auch persönlich sprachen zahlreiche Betroffene vor und wollten wissen: Welcher Schaden kann mir erwachsen, was kann ich tun?

Noch gibt es laut AK unzählige Unklarheiten rund um diesen Wirtschaftskrimi.AK-Wohnrechtsexpertin Christine Kubik gibt in der aktuellen Situation drei wesentliche Ratschläge:Erheben und prüfen wo es Unregelmäßigkeiten gegeben haben könnte; Eigentümerversammlungen organisieren; darauf achten, wann das Gericht einen Verlassenschaftskurator einsetzt und dann mit ihm sofort Kontakt aufnehmen.

AK-Präsident Siegfried Pichler verfasste am Mittwoch auch ein Schreiben an die Firma Grasmann & Schuster, die von Marterbauer im Auftrag der Wohnungseigentümer Reinigungsarbeiten durchführte und seit Monaten kein Geld mehr von der Immobilienfirma gesehen hat. Rechtlich ist die Wohnungseigentümergemeinschaft Vertragspartner der Firma. "Deswegen können wir leider nicht ausschließen, dass die Wohnungseigentümer diese Beträge noch einmal bezahlen müssen", sagt Kubik.

In dem Brief bittet Pichler das Unternehmen, im Sinne der betroffenen Eigentümer Geduld zu üben bis die Situation geklärt ist und mit der Betreibung der Nachzahlungen zuzuwarten.

Die Spezialisten der Arbeiterkammer stehen den Betroffenen weiter zur Verfügung: AK-Konsumentenberatung, 0662 8687-104.

Mehr als 300 Beratungsgespräche haben Mitarbeiter der Wirtschaftskammer Salzburg am Mittwochvormittag persönlich, telefonisch oder per E-Mail in Zusammenhang mit der „Causa Marterbauer“ durchgeführt.

„Besorgte Haus- und Wohnungseigentümer sowie Mieter und Geschäftskunden der Firma Marterbauer wollten sich vor allem darüber informieren, wie es mit dem Unternehmen weitergeht und welche Konsequenzen für sie daraus erwachsen“, fasst der Obmann der Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der WK Salzburg, Peter Genser, die Hauptthemen der Beratungen zusammen. „Auch die Weiterzahlung der Betriebskosten oder die etwaige Kündigung der Verwaltungsverträge waren Beratungsschwerpunkte.“

Betroffenen Kunden empfiehlt Genser, jetzt Ruhe zu bewahren und abzuwarten, bis der Masseverwalter den finanziellen Status der Immobilienkanzlei Marterbauer festgestellt hat. „Derzeit ist die Höhe des entstandenen Schadens noch nicht bekannt. Die Fachgruppe steht aber zu ihrer Ankündigung, den Schaden für die Betroffenen so gering wie möglich zu halten. In welcher Form das geschehen kann, werden wir in den nächsten Tagen festlegen“, kündigte Genser an.

Die Beratungshotline der WK-Fachgruppe ist weiterhin unter der Telefonnummer 0662/8888, Dw. 637, erreichbar.

© SN.

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