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SALZBURG (SN, APA, ORF). Der Kampf gegen die Fluten war in der Pinzgauer Gemeinde Mittersill heute, Dienstag, kurz nach 01.30 Uhr verloren: Wassermassen hatten sich ihren Weg durch Dämme und Sandsäcke gebahnt. Der Marktplatz ist bis zu einem Meter überflutet. In rund 300 Häusern der Marktgemeinde drang das Wasser in die Keller bzw. die Erdgeschoße ein. Laut Angaben des Katastrophenschutzes des Landes Salzburg war das Wasser der Salzach bei einem durchschnittlichen Pegelstand von 5,10 Metern gegen 1.55 Uhr über den Damm in den Mittersiller Markt gelaufen. Einige Häuser sind nur mehr mit Booten zu erreichen. Der Sprecher der Bezirkshauptmannschaft Zell am See, Franz Michel, sagte: "Leider konnte Mittersill trotz all der Anstrengungen und Mühen nicht gehalten werden."
In den frühen Morgenstunden kämpften die Einsatzkräfte in der Pinzgauer Gemeinde Mittersill auch weiter verzweifelt gegen die Wassermassen an. Die Lage war allerdings aussichtslos, sagte Kurt Reiter, Katastrophenschutzreferent der Bezirkshauptmannschaft Zell am See. Derzeit sei man machtlos. Alles, was man tun könne, sei jene Dämme zu halten, die noch in Ordnung seien. Man warte nun, bis der Wasserstand wieder sinke.
Die Einwohner im niedriger gelegenen Ortsteil von Mittersill waren bereits in der Nacht evakuiert worden. Kurz vor 22.00 Uhr hatten die Sirenen geheult und Bewohner wie Urlauber auf die dramatische Situation aufmerksam gemacht.
Dienstagfrüh musste schließlich das örtliche Krankenhaus gänzlich evakuiert werden. Von der Räumung des Spitals sind ersten Meldungen zufolge 60 Personen betroffen. Bereits am Montag waren Schwerkranke in andere Krankenhäuser verlegt worden. Lebensgefahr für Personen bestand nicht. Der Keller des Krankenhauses sowie das Erdgeschoß waren überflutet worden, die Infrastruktur des Spitals brach zusammen. Weder die normale Stromversorgung noch das Notstromaggregat funktionieren mehr, sagte Georg Scharler, Feuerwehrkommandant von Mittersill, zur APA. Die im Keller gelagerten Medikamente und Gegenstände waren rechtzeitig in Sicherheit gebracht worden. "Im Keller kann man schon eine Tauchschule aufmachen", beschrieb Scharler die Situation. Bei der Evakuierung des Mittersiller Krankenhauses waren zahlreiche Mitarbeiter des Roten Kreuzes sowie 60 Feuerwehrleute im Einsatz.
Seit den Morgenstunden war man in Mittersill damit beschäftigt, Zehntausende von Sandsäcken zu füllen und sie rund um die Uferböschungen zu platzieren, um den Ortskern vor einer Überflutung zu verschonen und die Dämme zu stärken. Einwohner, Bundesheer und Feuerwehrleute, Urlauber wie Asylwerber beteiligten sich an der Aktion. Zu Mittag musste die Salzachbrücke gesperrt und Katastrophenalarm ausgerufen werden. Mit schweren Geräten wurden Treibgut und sperrige Gegenstände aus dem reißenden Fluss herausgeholt.
Weiterhin kritisch war es auch an den anderen Salzachufern im Oberpinzgau. In den späten Abendstunden begann es wieder zu regnen und Überflutungen - vor allem Wiesen - waren die Folge. Mit einer Entspannung war vorerst nicht zu rechnen.
In Saalfelden, wo die Urslau teilweise über die Ufer getreten ist, hat man die Lage mitterlweile aber wieder im Griff. Mit schweren Geräten wurden Verklausungen geöffnet und Brücken gesichert, informierte Franz Michel, Sprecher der Bezirkshauptmannschaft Zell am See.
Auch in Golling, wo eine Siedlung gefährdert war, ist die Lage derzeit stabil. Die Bewohner wurden vorsoglich angewiesen, sich in der Nacht in den oberen Etagen ihrer Häuser aufzuhalten.
Alle Feuerwehren - Unterstützung kam aus Osttirol und Tirol - standen im Einsatz, hunderte Helfer errichteten mit Sandsäcken Dämme "und wir versuchen, die Salzach in ihrem Bett zu halten", berichtete Franz Michel, Sprecher der Bezirkshauptmannschaft Zell am See. 30.000 Sandsäcke wurden in den Raum Zell am See und zehn Tauchpumpen in den Raum Saalfelden angeliefert. Von Krimml bis Uttendorf ist die Salzach bereits an mehreren Stellen über die Ufer getreten. In Wald im Pinzgau ist eine Siedlung bedroht - hier muss mit schwerem Gerät gegen die Wassermassen vorgegangen werden, die einen Damm auszuhöhlen drohen, so Michel.
Die Salzach ist im Pinzgau so stark angestiegen, dass auch Campingplätze evakuiert werden mussten. Die Bevölkerung und die Urlauber wurden aufgerufen, nur die nötigsten Fahrten mit dem Auto zu unternehmen. Da die Regenfälle nicht aufhören, ist mit einer Verbesserung der Situation - besonders im Pinzgau - nicht zu rechnen.
Ebenfalls Probleme gab es in Bramberg, wo der Salzachdamm gebrochen war - hier war die Situation Montagmittag wieder unter Kontrolle. Bereits aus den Ufern getreten sind die Saalach im Bereich Lofer/St. Martin und die Urslau im Bereich Saalfelden, teilten Hans Wiesenegger vom Hydrografischen Dienst des Landes Salzburg und Michel mit.
Seit Montagabend standen im Land Salzburg rund 250 Soldaten im Einsatz gegen das Hochwasser. In Mittersill kämpften insgesamt 151 Soldaten der Jägerschule Saalfelden, des Heeresfernmelderegimentes aus St. Johann im Pongau und der Ausbildungskompanie des Militärkommandos aus Tamsweg gegen die Fluten.
Angespannt war auch die Situation im Großarler und Gasteiner Tal. Im Tennengau waren die Wasserpegel ebenfalls ständig im Steigen: Am Nachmittag drohte die Salzach in Golling und Hallein über die Ufer zu treten. Die Schleusen beim Kraftwerk Kaprun wurden geschlossen, damit nicht noch mehr Wassermassen in die Flüsse gelangt. Die Schleusen der Salzach-Kraftwerke entlang der Salzach wurden ebenfalls geöffnet. Die intensivsten Niederschläge fielen bisher im Tennengau mit bis zu 90 Litern in 36 Stunden und im Raum Mittersill mit 60 bis 70 Litern.
In der Stadt Salzburg und im Flachgau zeigt sich die Lage Dienstagfrüh entspannt. Montagnachmittag lag der Pegelstand der Salzach in der Stadt bei sieben Metern, bei der Hochwasserkatastrophe im Jahr 2002 waren es 8,20 Meter. Sollte das Wasser noch weiter steigen, werde es kritisch, sagt Feuerwehrchef Schnöll. In der Landeshauptstadt liegen 12.000 Sandsäcke bereit. Die Einsatzreserve der Berufsfeuerwehr ist in Bereitschaft.
Das Salzachschiff "Amadeus", das beim Hochwasser 2002 schwer beschädigt wurde, hält den Wassermassen derzeit noch Stand. Im Gegensatz zur Anlegestelle an der Hellbrunner Brücke: Diese wurde am späten Nachmittag wahrscheinlich durch Treibgut blockiert und unter Wasser gedrückt. Bild: SN/Kolarik
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