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SALZBURG-STADT (SN). Keine plausible Erklärung gibt es aus umwelt- und arbeitsmedizinischer Sicht, warum elf Polizisten der Wachstube am Salzburger Hauptbahnhof innerhalb der vergangenen 16 Jahre an verschiedenen Krebsarten erkrankt sind. Vier Beamte sind mittlerweile gestorben. Am Dienstag wurde in der Polizeidirektion das Endergebnis aller Untersuchungen erörtert. Ein Umzug in eine andere Dienststelle dürfte mit "99 prozentiger" Sicherheit bevorstehen, sagte Präsidialchef Heinz Kitzmantel.
"Der Wunsch zum Wechsel der Dienststelle kann aus umweltmedizinischer Sicht nachvollzogen werden", sagte Polizeidirektor Gottfried Mayr noch vor der Besprechung des abschließenden Gutachtens mit Umweltmediziner Gerd Oberfeld, Arbeitsmedizinerin Ortrud Gräf und interessierten Polizisten. Und zwar deshalb, weil es Krebserkrankungen unter den Kollegen gegeben habe und das Wohlbefinden in der relativ neuen Wachstube am Bahnsteig 1 als eingeschränkt empfunden werde.
Ins selbe Horn stößt auch Kitzmantel. Die Kollegen, die bis zur Sperre des Wachzimmers am 24. September ihren Dienst absolviert hatten, seien einer derart großen psychischen Belastung ausgesetzt, dass sie dort nicht mehr arbeiten wollen. Und Innenminister Ernst Strasser habe zugesagt ein neue Wachzimmer zu suchen, sollte sich auch nur ein Beamter gegen einen neuerlichen Einzug in das alte Wachzimmer aussprechen. Einige Angebote liegen der Polizei bereits vor. Die Entscheidung, ob die Dienststelle tatsächlich geschlossen wird, fällt das Innenministerium.
Für einen Weiterbetrieb des Wachzimmers hält Arbeitsmedizinerin Gräf eine Sanierung der klimatischen Verhältnisse, eine Frischluftzufuhr über das Dach und eine Sanierung der vorhandenen Strahlenquellen als "unbedingt erforderlich".
Falls es überhaupt einen ursächlichen Grund zwischen den bekannt gewordenen Krebserkrankungen und der Dienststelle am Bahnhof geben sollte, dann kommt für Oberfeld nur der Zeitraum von 1983 bis Mai 1998 in Frage, in dem das Wachzimmer noch im Erdgeschoss an der Südseite des Bahnhofgebäudes lag. Hier wurden erhöhte Schwermetallgehalte in der Hausstaubprobe für Cadmium, Blei und Zink festgestellt - allerdings mit unklarer Ursache.
Weiters traten im alten Wachzimmer erhöhte magnetische Wechselfelder im Bereich des Ruheraums des Wachkommandanten auf, "bedingt durch zumindest acht Ladegeräte für Handfunkgeräte", steht in dem Gutachten. Erhöhte Einstrahlungen gab es auch durch GSM-Mobilfunksendeanlagen, die "jedoch nicht im Zusammenhang mit den Erkrankungen stehen".
In der darauf folgenden Dienststelle am Perron wurden erhöhte Schwermetallgehalte in der Hausstaubprobe für Blei und Zink gefunden. Die Klagen der Polizisten über Kopfschmerzen, Müdigkeit und Stressgefühl kann der Umweltmediziner erklären: Schuld daran seien die Belastungen durch elektrische und magnetische Wechselfelder sowie die hochfrequenten Wellen durch GSM-Mobilfunksender und ein DECT-Schnurlostelefon, das sich allerdings außerhalb des Wachzimmers befand. (Bild: SN/Ratzer)
Die Mehrheit der anwesenden Polizisten des Bahnhofswachzimmers äußerten den
Wunsch, in ein neues Wachstube zu übersiedeln. Das sagte Polizeidirektor Mayr
nach der Gutachtens-Erörterung. Aus seiner Sicht steht der Umzug in eine neue
Dienststelle in Bahnhofsnähe ab 2005 fest. Das Innenministerium lässt bereits
nach Alternativen zum jetzigen Standort suchen.
Aus psychologischen Gründen sei es nachvollziehbar, dass die Polizisten
nicht mehr in das Bahnhofswachzimmer zurückkehren, erklärte der Salzburger
Umweltmediziner Gerd Oberfeld. "Möglicherweise besteht im alten Wachzimmer ein
Zusammenhang mit den Erkrankungen. Vielleicht sind die Untersuchungen dann um
Jahre zu spät erfolgt." Die auffallend hohe Häufigkeit von Krebsfällen sei ja
erst im Juni mitgeteilt worden.
Die Salzburger Arbeitsmedizinerin Ortrud Gräf sprach sich ebenfalls für
einen neuen Standort aus, "wenn ein Unbehagen da ist". Es solle Ruhe
einkehren, damit die Polizisten ihre Arbeit wieder 100-prozentig erledigen
könnten. "Uns geht es um das subjektive Gefühl der Mitarbeiter. Sie sollen
sich wohl fühlen", betonte auch Johannes Rauch.
Der arbeitsmedizinische Dienst nimmt jetzt bei rund 70 Polizisten, die im
Laufe der Jahre am Bahnhof ihren Dienst absolviert haben, auf deren Wunsch
eine erweiterte Vorsorgeuntersuchung vor.
© SN.
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