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ÖBB-Chef verhängt Inserate-Bann über Zeitungen

10. August 2006 | 16:26

Aus Protest gegen die Berichterstattung über sein Unternehmen hat ÖBB-Holding-Vorstand Huber vier heimischen Tageszeitungen die Inserate der Bahn gestrichen. Auslöser war die Berichterstattung über Differenzen zwischen dem Holding-Chef und ÖBB-Personenverkehrschefin Goldmann. Betroffen von dem Bann sind "Die Presse", "Der Standard", "Salzburger Nachrichten" und "WirtschaftsBlatt".

Gegenüber der APA verteidigte Huber die Entscheidung als "Kritik an der Qualität der Berichterstattung". "Mit sachlicher Kritik und einer kritischen Betrachtung der ÖBB habe ich kein Problem, weil ich selbst kritisch bin und nicht alles wissen kann. Ich akzeptiere aber nicht kaum recherchierte, einseitige Geschichten in Zeitungen, die wir mit Anzeigen finanzieren", sagte der Holding-Chef.

Goldmann war intern vorgeworfen worden, ÖBB-Betriebsmittel und -Mitarbeiter für den gemeinnützigen Verein Opernwerkstatt Wien eingesetzt zu haben, dem sie vorsteht. Der Aufsichtsrat kam Anfang Juli allerdings zu dem Schluss, dass die Vorwürfe nicht den Tatbestand der Untreue erfüllten.

Die betroffenen Qualitätszeitungen verurteilten den Anzeigen-Bann scharf und wollen ihre Berichterstattung unverändert fortführen. "Als Vorstandsmitglied der Weltvereinigung der Chefredakteure ist mir eine solche Vorgehensweise nur aus Russland bekannt. Huber glaubt offenbar, er ist der Chef von Gazprom", sagte "Standard"-Chefredakteur Sperl. Es sei völlig undenkbar, dass sich sämtliche österreichischen Qualitätszeitungen an einem "Komplott gegen die ÖBB" beteiligen oder gleichzeitig ungenügend recherchieren.

Die SPÖ forderte wegen des Anzeigen-Boykotts die Ablöse von Huber. "Dieser Mann ist ablösereif", erklärte der SP-Abgeordnete Broukal. "Diese einzigartige Strafaktion zeigt, dass Huber weder die ÖBB im Griff hat noch seine Emotionen. Es wird Zeit, dass Verkehrsminister Gorbach ein Machtwort spricht", so Broukal.

© SN/APA.

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