| Israel hat seine Militäroffensive im Libanon massiv ausgeweitet. Die Streitkräfte bombardierten nach eigenen Angaben hunderte Ziele, darunter auch den internationalen Flughafen von Beirut und zwei Militärstützpunkte. Zudem wurde am Donnerstag eine Seeblockade gegen den Libanon verhängt. Im Gegenzug wurde am Donnerstagabend die israelische Hafenstadt Haifa von zwei Katjuscha-Raketen getroffen.
Seit Beginn der Offensive am Mittwoch wurden nach Angaben der Regierung in Beirut 47 Libanesen getötet und mehr als 100 verletzt. Sicherheitskreise sprachen von mindestens 52 getöteten Zivilisten. Der Libanon rief den Weltsicherheitsrat an.
Die israelische Luftwaffe flog ihre schwersten Bombardements auf Ziele im Libanon seit der Invasion von 1982. Es würden keine Ziele ausgespart, auch die Hauptstadt Beirut sei nicht immun, erklärte der israelische Heereschef. Israels Verteidigungsminister Peretz hat die Vernichtung der schiitischen Hisbollah-Miliz angekündigt: "Wir haben erwartet, dass die Hisbollah die Spielregeln verletzen wird, und wir beabsichtigen die Zerstörung der Organisation".
Am Abend warfen israelische Flugzeuge über dem Libanon Flugblätter ab, auf denen die Bevölkerung vor weiteren Angriffen gewarnt wurde. Die Menschen wurden aufgefordert, von der Hisbollah frequentierte Viertel und Einrichtungen zu meiden.
Die Hisbollah, die zwei israelische Soldaten entführt und damit die Militäroffensive ausgelöst hatte, feuerte ihrerseits am Donnerstag dutzende Raketen auf Israel ab. Ein Israeli wurde getötet, mehr als zehn wurden verletzt.
Am Abend wurde nach israelischen Militärangaben auch die Hafenstadt Haifa vom Libanon aus mit zwei Raketen angegriffen. Die Raketen schlugen nicht weit vom Stadtzentrum entfernt ein. Angaben über mögliche Opfer lagen zunächst nicht vor. Haifa ist mit 275.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Israels. Der israelische Botschafter in Washington sprach von einer "bedeutenden Eskalation" des Konflikts.
Die Hisbollah hatte zuvor mit einem solchen Angriff auf die rund 50 Kilometer von der Grenze entfernte Stadt gedroht. Der stellvertretende Hisbollah-Chef Sheik Kassem wies eine Verantwortung seiner Organisation für den Angriff jedoch zurück. Eine weitere Rakete traf eine Gruppe von Journalisten in Nordisrael, es gab mindestens einen Verletzten.
Unterdessen erklärte der israelische Außenministeriumssprecher Regev, Israel habe Hinweise darauf, dass die Hisbollah die entführten Soldaten in den Iran bringen wolle. Eine Quelle für seine Informationen nannte Regev nicht. Der Iran wies diese Befürchtungen als absurd zurück.
Die Regierung in Beirut rief den UNO-Sicherheitsrat auf, einen Waffenstillstand herbeizuführen. Außerdem müsse "die Belagerung" des Libanons aufgehoben werden, erklärte Informationsminister Aridi am Donnerstagabend nach einer Krisensitzung des Kabinetts. Der Weltsicherheitsrat in New York plant für Freitagvormittag (Ortszeit) eine Dringlichkeitssitzung.
Die internationale Gemeinschaft reagierte auf die Eskalation der Gewalt mit großer Sorge und teils heftiger Kritik. Die EU verurteilte die israelische Militäraktion im Libanon als unverhältnismäßige Antwort auf die Angriffe der Hisbollah. Zugleich wurde die sofortige Freilassung der israelischen Soldaten gefordert. Der EU-Außenbeauftragte Solana kündigte eine Vermittlungsmission an.
Auch UNO-Generalsekretär Annan will ranghohe Mitarbeiter in den Nahen Osten schicken. Eine dreiköpfige Delegation soll am Samstag an einem Außenministertreffen der Arabischen Liga in Kairo teilnehmen und anschließend nach Israel, Syrien, in den Libanon und in die palästinensischen Autonomiegebiete reisen.
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