| Kinder trugen ein riesiges Bild von Hisbollah-Chef Nasrallah durch die Straßen von Beirut. Sie feierten am Mittwoch die Entführung von zwei israelischen Soldaten durch Hisbollah-Milizen. Das Bildnis von Nasrallah durfte dabei nicht fehlen. Denn der Mann mit Turban und schwarzem Vollbart ist seit 1992 Chef der Hisbollah, die eine politisch-militärisch Parallelmacht im Libanon bildet.
Der 46-Jährige hat seither im Kampf gegen Israel für die Schiitenmiliz Erfolg an Erfolg gereiht - was den begabten Redner zur verehrten Symbolfigur werden ließ. Viele Menschen im Libanon wenden sich auch jetzt zu ihm, da Israel dem Land de facto den Krieg erklärt hat.
Nasrallah gibt sich kampfeslustig in diesen Tagen. "Wenn die Menschen Frieden wollen, sind wir zum Frieden bereit, wenn sie Konfrontation wollen, sind wir auch dazu bereit", sagte Nasrallah nach dem Beginn der israelischen Offensive. Zunächst will er Israel jedoch an den Verhandlungstisch bringen. "Der einzige Weg, wie die beiden Soldaten nach Hause zurückkehren können, ist ein Austausch von Gefangenen."
Der als geschickter Taktiker bekannte Nasrallah hat schon mehrmals erfolgreich verhandelt. Unter deutscher Vermittlung schaffte er es etwa im Jahr 2004, dass 400 Häftlinge in israelischen Gefängnissen freikamen im Tausch gegen die Leichen dreier von der Hisbollah getöteter israelischer Soldaten.
Doch mit der aktuellen Großoffensive Israels dürfte eine der schwierigsten Zeiten für ihn anbrechen, seit er im Jahr 1992 an die Spitze der Hisbollah getreten war. Damals folgte er dem von Israel in einem Luftangriff getöteten Abbas Mussawi nach. Zuvor hatte Nasrallah in der heiligen irakischen Stadt Najaf Theologie studiert, später für die radikale schiitische Amal-Bewegung gekämpft.
Schon 1993 erlebte er seine Feuertaufe. Damals schlug der bewaffnete Arm der Hisbollah eine israelische Militäroffensive zurück. Auch die folgenden Jahre mehrten seinen Ruf: 1996 scheiterte erneut eine israelische Offensive am Widerstand von Nasrallahs Gotteskriegern. Im Jahr 1997 starb dann sein ältester Sohn Hadi, eines von sechs Kindern, an der libanesisch-israelischen Grenze im Kampf und zählt zu den von der Hisbollah als Märtyrer verehrten Gefallenen.
Der größte Erfolg für Nasrallah kam im Jahr 2000: Israel zog sich nach 22 Jahren Besatzung komplett aus dem Südlibanon zurück. Die Milizen der Hisbollah rückten triumphal in das verlassene Gebiet ein. Nasrallahs Parallelarmee lehnt es seither ab, die Stellungen der regulären libanesischen Armee zu übergeben. Die Hisbollah zählt dabei auch auf Libanons Präsidenten und Nasrallah-Verbündeten Emile Lahoud.
Nasrallahs Zeit an der Spitze der Hisbollah schien ein ständiger Aufstieg. Vielleicht ist er auch deshalb zuversichtlich, nun wieder als Sieger hervorzugehen. "Die Israelis sagen immer zuerst, dass sie nicht verhandeln wollen, am Schluss akzeptieren sie aber dann doch", sagte er noch am Mittwoch. Doch der Feind scheint es diesmal sehr ernst zu meinen. Am Donnerstag schlugen die ersten Raketen in der Nähe des Hisbollah-Hauptquartiers in Beirut ein.
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