| Nach dem Einmarsch der Israelis in den Libanon sei die Gefahr einer Ausweitung des Konflikts in Nahost durchaus gegeben, erklärte der österreichische Nahost-Experte Bunzl in einem Gespräch mit der APA am Donnerstag. "Ich habe nicht mit dieser Überreaktion Israels gerechnet, die jetzt eine gefährliche Dynamik auslösen kann, indem Syrien und der Iran einbezogen werden", sagte Bunzl.
Zwar habe der Nahost-Konflikt eine "lokale, explosive Dimension, die unabhängig von äußeren Einflüssen ist". Aber sehr wohl gebe es Versuche aller Seiten, nach einer Eskalation äußere Faktoren verantwortlich zu machen oder für sich zu gewinnen. Israel könnte Unterstützung bei Kräften in den USA suchen, die gegen Syrien und den Iran vorgehen wollen, und könnte sich dadurch in den "Kampf gegen den Terror" einreihen. "Das ist sehr gefährlich", warnte der Experte vom Österreichischen Institut für Internationale Politik (OIIP) in Wien. Auf der anderen Seite könnte die Hisbollah an den Iran und an Syrien appellieren.
Bunzl betonte, dass man klar zwischen Gaza und Libanon unterscheiden müsse. "Die Reaktion der Hisbollah ist sicher nicht ein Resultat einer unerträglichen Unterdrückung durch die Israelis. Bei der Reaktion der Hamas in Palästina ist das durchaus so". Israel müsse jedenfalls nicht auf jede Provokation reagieren - "und nicht auf diese Weise".
Im Libanon sieht der Experte nach dem Einmarsch der Israelis zwei Möglichkeiten: Entweder die Solidarisierung der Bevölkerung mit der Hisbollah und eine Überbrückung der innerlibanesischen Gegensätze, oder der Versuch eines relativen schwachen Teils der libanesischen Regierung, die Hisbollah zu entwaffnen und ihren Einfluss zu reduzieren. "Die erste Variante ist wahrscheinlicher", fügte Bunzl hinzu.
Die Appelle der Internationalen Gemeinschaft zur Zurückhaltung seien dermaßen "wischi-waschi" und ohne irgendeiner Konsequenz, dass sie die Eskalation eher erleichtern als erschweren würden. Es seien drastischere Interventionen notwendig, die aber keinesfalls einseitig sein dürften, indem sie sich etwa nur gegen die Palästinenser richten.
Den Hintergrund der jetzigen Eskalation sieht Bunzl jedenfalls in der Lage im Gaza-Streifen. Möglicherweise sei die Entführung israelischer Soldaten seitens der Hisbollah eine "Geste der Solidarität an die Hamas" gewesen. Dass der Iran und Syrien direkt verstrickt sind, glaubt der Experte eher nicht. Natürlich habe die Hisbollah lange und enge Beziehungen zu Teheran und Damaskus. "Ich glaube aber nicht, dass hier ein operatives Kommando gestartet wurde". Dass Hamas und Hisbollah jetzt aber versuchen, Israel in einen Zwei-Fronten-Krieg zu verwickeln, kann sich Bunzl durchaus vorstellen: "Israel hat genau so reagiert, wie sich das Hamas und Hisbollah vorgestellt und gewünscht haben."
(Das Gespräch führte Zarko Radulovic/APA).
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