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Israels schwieriges Verhältnis zum Libanon

13. Juli 2006 | 10:42

Mit dem Abzug der israelischen Armee aus dem Südlibanon im Mai 2000 war eine mehr als zwei Jahrzehnte dauernde Phase direkter israelischer Einflussnahme in dem Nachbarland beendet worden. Neben dem Bedürfnis, seine Nordgrenze zu schützen, hat Israel seit seiner Gründung weiter gehende Interessen im Libanon.

Schon zwei Jahrzehnte vor Ausbruch des libanesischen Bürgerkrieges (1975-90) existierten detaillierte israelische Regierungspläne zur Teilung des multikonfessionellen Zedernstaates.

1936 hatte David Ben Gurion, damals Leiter der "Jewish Agency" und ab 1948 erster Ministerpräsident Israels, in einem Vortrag in Zürich den Libanon als "natürlichen Verbündeten eines künftigen jüdischen Staates" bezeichnet. Wie aus den Tagebüchern des verstorbenen Ministerpräsidenten (1953-55) und Außenministers Moshe Sharett hervorgeht, sah Israels Führung im Libanon das "schwächste Glied der arabischen Kette". "Die Änderung der Verhältnisse zum Vorteil des jüdischen Staates" sei für Ben Gurion "zentrale Priorität" gewesen. Spätestens 1954 lagen laut Sharett konkrete Pläne vor, die Führer der stärksten christlichen Bevölkerungsgruppe, der Maroniten, für die Schaffung eines - von Israel abhängigen - kleinen Christenstaates zu gewinnen. Als zweiter "ethnischer" Staat in der Region hätte er die Existenz des jüdischen legitimieren sollen.

Dabei wurde übersehen, dass die nicht-maronitischen Christen generell für ein solches Unterfangen nicht zu gewinnen waren, welches die moslemische Bevölkerung automatisch in die Arme Syriens treiben musste. Auch die Israel-freundlichsten "Hardliner" unter den Maroniten-Politikern wussten - so Sharett - ganz genau, dass "jeder Versuch, aus der Arabischen Liga auszubrechen, mit ihrer vernichtenden Niederlage enden würde".

Die verschiedenen israelischen Destabilisierungsoperationen, bei denen später auch den Drusen eine Rolle zufallen sollte, hatten damals den einzigen arabischen Staat mit einer pluralistischen Demokratie zum Ziel, in dem bürgerliche Freiheitsrechte und Rechsstaatlichkeit in hohem Maße gewahrt waren und ein ausgeklügeltes konfessionelles Proporzsystem einigermaßen funktionierte ("Schweiz des Nahen Ostens").

Mit der Invasion des Jahres 1982 und der Wahl des (noch vor Amtsantritt bei einem Bombenanschlag ums Leben gekommenen) Falangisten-Milizführers Bechir Gemayel zum libanesischen Präsidenten im besetzten Beirut schienen sich die israelischen Fragmentierungs-Pläne zu verwirklichen. Doch dieser "chirurgische Eingriff" - den der damalige Verteidigungsminister Ariel Sharon damit rechtfertigte, dass "die PLO vollständig und für alle Zeiten vernichtet werden muss" - drohte alle lebenswichtigen Organe des Libanon zu zerstören.

Der Separatfrieden, den Israel dem zerrissenen Land 1983 aufzwang, wurde vom Libanon nicht ratifiziert. Was Israel letztlich blieb, war die kleine Söldnermiliz "Südlibanesische Armee" (SLA) des Ex-Majors Saad Haddad und seines Nachfolgers Antoine Lahad. Die SLA erwies sich als sehr kostspielig und zerfiel noch während des israelischen Rückzugs.

Ökonomisch hat Israel vor allem Interesse an den Wasserressourcen des nördlichen Nachbarn. Indirekt oder direkt hat es Ansprüche auf eine Beteiligung am Wasser des Litani erhoben, dessen Flussbett sich ausschließlich auf libanesischen Staatsgebiet befindet. Israel hatte wiederholt versucht, Verhandlungen über einen militärischen Abzug mit einer gemeinsamen Litani-Nutzung zu verknüpfen. Militärisch war Israel daran interessiert, die bis 2000 besetzte "Sicherheitszone" - ein Zehntel des libanesischen Territoriums - aufrecht zu erhalten, um sich den Libanon als Durchmarschgebiet für eine mögliche Auseinandersetzung mit Syrien offen zu halten. Durch die Bekaa-Ebene, in die der östliche Sektor der "Sicherheitszone" hineinreichte, ist unter Umgehung der stark befestigten Golan-Front ein Zugriff nicht nur auf die Verbindungsstraße Beirut-Damaskus, sondern auch auf Zentral-Syrien möglich.

© SN/APA.

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