| Robert Mang, der am 11. Mai 2003 die weltberühmte Saliera des Renaissance-Künstlers Benvenuto Cellini aus dem Kunsthistorischen Museum (KHM) entwendet haben soll, wird wegen schweren Einbruchsdiebstahls und versuchter Erpressung vor Gericht gestellt. Das Justizministerium hat am Mittwoch den entsprechenden Vorhabensbericht der Staatsanwaltschaft Wien genehmigt.
Knifflige Rechtsfrage
Der Vorhabensbericht der Staatsanwalt wurde eingehend geprüft, ehe es "grünes Licht" gab. Während nie der geringste Zweifel daran bestand, dass sich Robert Mang wegen schweren Einbruchsdiebstahls zu verantworten haben wird - der 50-Jährige hatte die Aufsehen erregende Tat nach seiner Festnahme unumwunden zugegeben und vor dem U-Richter ein umfassendes Geständnis abgelegt -, rätselten interessierte Kreise, ob die Anklageschrift auch den Tatbestand der versuchten Erpressung umfassen würde.
"Diese Frage war juristisch schwierig zu beantworten, weil das Verwerten einer gestohlenen Sache grundsätzlich nicht strafbar ist. Ein Dieb, der seine Beute verkauft, macht sich nicht der Hehlerei schuldig. Im vorliegenden Fall waren die Umstände jedoch so, dass die Staatsanwaltschaft Gelegenheit haben soll, den ihrer Ansicht nach gegebenen Erpressungsversuch unter Beweis zu stellen. Immerhin hat der nunmehr Angeklagte brieflich der Versicherung mit der Vernichtung der Saliera gedroht", erläuterte Werner Pürstl, Sektionschef im Justizministerium, am Mittwoch im Gespräch mit der APA.
Strafausmaß 10 Jahre
Für das mögliche Strafausmaß war die Klärung dieser Rechtsfrage eher irrelevant. Für eine Erpressung sieht das Gesetz maximal fünf Jahre Haft vor, der strafbegründende Tatbestand war somit der Einbruchsdiebstahl. Wer einen Gegenstand im Wert von über 40.000 Euro stiehlt, muss mit einem bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe rechnen. Der Schätzwert der Saliera soll an die 50 Millionen Euro ausmachen.
Der am 21. Jänner 2006 nach langwierigen und mühsamen Ermittlungen festgenommene Robert Mang - von Beruf Verkäufer von Alarmanlagen - war angeblich bei einem Museumsbesuch auf die Idee gekommen, das in seinen Augen ungenügend gesicherte Salzfass zu stehlen. Seinen Aussagen zufolge reizte es ihn nach einem Disco-Besuch, gegen 2.00 Uhr in der Früh über ein Baugerüst ins Museumsinnere vorzudringen, wo er die 26 Zentimeter große, in den Jahren 1540 bis 1543 im Auftrag von König Franz I. von Frankreich entstandene Skulptur an sich nahm.
Streit um Sicherheit
Der Diebstahl war erst Stunden nach ihrem Verschwinden aufgefallen, was eine teilweise heftige Diskussion über die Sicherungsmaßnahmen im KHM und Kritik an Museumsleiter Seipel und der verantwortlichen Ministerin Gehrer auslöste.
Der spektakuläre Coup konnte erst zweieinhalb Jahre nach der Tat geklärt werden. Die Saliera wurde in einem Waldstück im Raum Zwettl im Waldviertel gefunden, nachdem sich Robert Mang bei der Polizei gemeldet hatte, weil sein Foto in mehreren Medien veröffentlicht und er dort als "Person aus dem Umfeld der Täter "bezeichnet worden war. Bekannte hatten ihn auf die Ähnlichkeit mit dem Fahndungsfoto angesprochen, was ihn nervös gemacht haben dürfte.
Im Zuge der polizeilichen Einvernahme gab Mang, der zunächst von einer Verwechslung sprach, schließlich zu, das Salzfass entwendet und zunächst unter seinem Bett deponiert zu haben, ehe er die Saliera in einer Kiste vergrub. Zwischendurch hatte er brieflich mit ihrer Vernichtung gedroht, sollte kein Lösegeld - die Rede war von bis zu zehn Millionen Euro - bezahlt werden.
© SN/APA.
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