| EU-Ratsvorsitzender Bundeskanzler Schüssel hat sich am Samstag "sehr zufrieden" mit den Ergebnissen des EU-Lateinamerika-Karibik-Gipfels (EULAC) in Wien gezeigt. Bei dem Treffen seien neben der Entscheidung, mit den zentralamerikanischen Ländern Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen aufzunehmen, 250 bis 300 bilaterale Gespräche geführt worden, so Schüssel.
Zudem konnte auf dem Gipfel auch der Konflikt um die Verstaatlichung des bolivianischen Erdgases - von der besonders Spanien und Brasilien betroffen sind - vorerst entschärft werden. Nachdem Boliviens Präsident Morales zu Beginn harte Töne gegenüber den ausländischen Konzernen in seinem Land angeschlagen hatte, zeigte er sich am Freitag dialogbereit. Beim parallel zum EULAC-Treffen stattfindenden Gegengipfel "Enlazando Alternativas 2" (Alternativen verknüpfen) hatte der venezolanische Staatschef Chavez seinen großen Auftritt, bei dem er unter anderem gegen den US-Imperialismus wetterte.
"Das wichtigste Ergebnis war, dass jeder mit jedem reden konnte", erklärte Schüssel zu den Ergebnissen des EULAC-Gipfels. So hätten intensive Kontakte der Andengemeinschaft (CAN) stattgefunden, die wegen des Austrittes Venezuelas in einer Krise ist. Zudem verwies Schüssel auf die "Selbstverpflichtung", das Handelsvolumen zwischen der EU und Lateinamerika innerhalb von fünf Jahren verdoppeln zu wollen. "Wenn wir 100 Millionen Arbeitsplätze schaffen, werden diese jungen Menschen zu gute kommen." Die Europäische Entwicklungsbank EBRD wolle Klein- und Mittelbetriebe fördern. Zudem gebe es Programme für die indigene Bevölkerung und für Minderheiten. "Die Kommission hat ambitiöse Ziele", so der Ratsvorsitzende.
Keine wirklichen Fortschritte gab es hinsichtlich der stockenden Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den Mercosur-Staaten. Vertreter beider Seiten betonten aber ihr Interesse an einer weiteren Zusammenarbeit. Zudem will die EU mit den Ländern Zentralamerikas ein Assoziationsabkommen schließen. Nicaraguas Präsident Geyer betonte, dass es sich dabei um mehr als einen "Freihandelsvertrag" handeln solle. Die EU bekräftigte auch ihre Unterstützung für die Staaten der Karibischen Gemeinschaft (CARICOM), von denen viele zu den ärmsten und höchst verschuldeten Ländern der Welt zählen.
Zum Abschluss des EULAC-Gipfeltreffens statteten die Präsidenten Boliviens, Venezuelas, Brasiliens und Chiles - Morales, Chavez, Luiz Inacio Lula da Silva und Michelle Bachelet - am Samstag Bundespräsident Fischer Besuche in der Hofburg ab.
Am Samstag ging auch der Alternative EU-Lateinamerika-Gegengipfel "Enlazando Alternativas 2" zu Ende, an dem zahlreiche Vertreter der Zivilgesellschaft beider Regionen teilnahmen.
© SN/APA.
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