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Pressestimme zu iranischen Holocaust-Karikaturen

08. Februar 2006 | 12:23

Die iranische Zeitung "Hamshari" hat ein Preisausschreiben für die zwölf "besten" Karikaturen über den Holocaust lanciert. Dazu schreibt am Mittwoch die "Berliner Zeitung" in einem Kommentar:

"Aus Teheran kommt eine Nachricht, die so abstoßend ist wie sie vorauszusehen war. Die Tageszeitung 'Hamshari' hat einen Karikaturenwettbewerb zum Thema 'Holocaust' ausgeschrieben. Die zwölf besten Einsendungen sollen abgedruckt und prämiert werden. Zwölf islamkritische Karikaturen hatte 'Jyllands-Posten' gedruckt; nun wollen sich umgekehrt die Iraner einen Spaß aus der Pressefreiheit machen und den Westen auf die Probe stellen: 'Lasst uns sehen, ob sie wirklich meinen, was sie sagen, und auch Bilder über den Holocaust drucken.'

Das war unvermeidlich. Man kann nicht im Ernst angreifen, was dem Nachbarn heilig ist, und glauben, es bleibe unverletzt, womit es einem selbst ernst ist. Zur Logik der Provokation gehört die Steigerung. Die Iraner haben erkannt, dass Witze über das Christentum nicht weiter stören. Also haben sie den Antisemitismus aktiviert, das einzige Böse, das keine affektierte Sympathie weckt.

Für Europäer und vor allem für Deutsche sind der Spott über Mohammed und der über den Holocaust zwei gut unterschiedene Dinge. Doch ist die Unterscheidung ja nicht von mathematischer Klarheit, sondern wurzelt in geschichtlichen Erfahrungen. Auch über diese kann man sich verständigen. Das aber setzt guten Willen voraus, an dem es jetzt mehr denn je fehlt. Nun also geht es auf die Juden, auch das kann nicht überraschen. Sie sind die Verletzlichsten, ihr Staat muss sich in der muslimischen Welt behaupten. Der Kampf der Kulturen wird auf ihrem Rücken ausgetragen. Sie bezahlen die Spesen der europäischen Meinungstapferkeit."

© SN/APA.

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