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Internationale Pressestimmen

08. Februar 2006 | 11:02

Zahlreiche internationale Zeitungen beschäftigen sich in ihren Kommentar-Teilen am Mittwoch mit dem Konflikt um die Mohammed-Karikaturen:

"ABC" (Madrid):

"Die zunehmende Gewalt in der islamischen Welt ist zum Auslöser einer Debatte geworden, der Europa sich nicht stellen wollte, die nun aber unvermeidlich geworden ist. Es ist eine Debatte über die Möglichkeit, die demokratische Kultur des Westens und die theokratische muslimische Kultur zusammenzubringen. Niemand mit gesundem Menschenverstand dürfte die Beleidigung der Werte einer Religion als Ausdruck eines individuellen Rechts verteidigen."

"Il Messaggero" (Rom):

"Die Angriffe auf die westlichen Botschaften und der grausame Mord am Priester Andrea Santoro in der Türkei haben gezeigt, dass (...) der Kampf der Kulturen eine traurige Realität ist, die in Betracht gezogen werden muss. Angesichts dieser Situation, in der die Kirche immer mehr im Rampenlicht steht, ist es angebracht sich zu fragen, ob die erste Enzyklika des neuen Papstes Anhaltspunkte gibt. Dieses Dokument, das der Liebe geweiht wurde, hat viele verwundert, da es sich offensichtlich mit einem Thema befasst, das von der Gegenwart und ihren Ängsten weit entfernt ist. Aber schon heute, wenige Tage nach der Veröffentlichung, erscheint seine Bedeutung viel aktueller, als sie auf den ersten Blick zu sein schien."

"Le Canard enchaine" (Paris):

"Sechs Tote im Namen des Propheten. Sechs Tote vor allem im Namen all jener, die sich in seinem Bart verbergen. Mohammed muss einen gewaltigen Bart haben, wenn man die Kohorten sieht, die sich darin mit ihren kleinen Interessen einrichten. Darunter sind zahlreiche Staaten von Ägypten bis zum Persischen Golf, die mit als erste in die Glut bliesen, um zu zeigen, dass sie muslimischer sind als ihre eigenen Islamisten. Jenseits dieser nützlichen Bigotterie und pragmatischen Religiosität kann man alles und sein Gegenteil hören. Man sieht Muslime, die zurecht gegen die Vermengung des Islams mit dem Terrorismus protestieren und gleichzeitig gegen diese Beleidigung zu Mord und Blutbädern aufrufen. Andere wüten gegen den islamfeindlichen Frevel, aber regen sich in keiner Weise über antisemitische Zeichnungen aus ihren Reihen auf. Doch man muss auch jene mitrechnen, die man weder sieht noch hört, die sich aber - wie der Rechtsradikale Jean-Marie Le Pen - die Hände reiben, und die Wählerstimmen zählen, die ihnen diese Drohungen einbringen können. Kurz: Allah ist groß und Mohammed nützt allen."

"La Republique des Pyrenees" (Tarbes):

"Hier geht es um einen Akt der öffentlichen Läuterung, denn der islamische Glaube muss lernen - wie es die anderen Religionen ebenfalls mussten - Spott und Karikatur zu ertragen. Wir müssen die Vorstellung bekämpfen, dass die Darstellung Mohammeds eine Gotteslästerung ist - wo man doch in Museen, auch in arabischen Ländern, Miniaturen von Moslems bewundern kann, die den Propheten und seine Weggenossen darstellen. Wir müssen die erpresserische Behauptung zurückweisen, wonach diese Karikaturen den Islam zu einer Religion der Gewalt und des Terrors degradieren sollen."

"Financieele Dagblad" (Den Haag):

"Die gemäßigten Muslime halten still, und der Westen überlässt es Dänemark, selbst mit der Sache fertig werden. Das kann zu einer unerwünschten und unnötigen Eskalation führen. Begierig wird der Konflikt jetzt durch Syrien und Iran geschürt, die damit ihren Einfluss in der muslimischen Welt vergrößern wollen. Und allzu sorglos spielt US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld neben dem Pulverfass mit dem Feuer, indem er Anspielungen über die Anwendung von Gewalt gegen Iran im Konflikt über dessen Atomprogramm macht. Es wird Zeit, dass sich die gemäßigten Kräfte in Ost und West die Hände reichen und zur Ruhe mahnen."

"Aftenposten" (Oslo):

"Man sollte beachten, dass die Demonstrationen in Afghanistan wegen der Mohammed-Karikaturen gegen die internationalen ISAF-Truppen generell gerichtet sind und nicht nur gegen Dänemark oder Norwegen. Die Regierung in Kabul hat kaum etwas unter Kontrolle und das alte Taliban-Regime noch außerordentlich viele Anhänger. (...) Die große Kritik gegen den Westen nach dem Abzug der Sowjettruppen 1989 war, dass die Afghanen im Stich gelassen wurden. (...) Botschaftsstürmungen, Demonstrationen und gewaltsame Proteste in islamischen Ländern muss man ernst nehmen. Aber die internationale Gemeinschaft darf jetzt nicht in dieselbe Falle gehen wie damals. Afghanistan braucht die Anwesenheit von ausländischem Militär und zivilen Hilfsorganisationen langfristig."

© SN/APA.

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