| Die Proteste in der moslemischen Welt gegen dänische Zeitungskarikaturen haben sich an Vorwürfen entzündet, dass dabei einerseits der Prophet Mohammed herabgewürdigt worden sei, anderseits im Islam ein Verbot der bildlichen Darstellung des Relgionsstifters gelte. Experten meinten allerdings, dass das Bilderverbot im Islam keineswegs so eindeutig ist.
"Ein unwiderrufliches Bilderverbot gibt es im Islam ebenso wenig wie in anderen Religionen", erläutert der Arabist Michael Lüders in der "Frankfurter Rundschau". Allerdings heiße es im Koran ebenso wie in der Bibel, der Gläubige solle sich kein Bild von Gott machen.
Und schon in frühislamischer Zeit habe sich ein Konsens gebildet, weder den Propheten Mohammed noch die Prophetengefährten bildlich darzustellen - auch nicht die vier ihm nachfolgenden, "rechtgeleiteten" Kalifen. Dieser Konsens habe sich zu einer generellen Ablehnung bildlicher Darstellung in der arabischen Welt entwickelt und erkläre die Vorliebe für Kalligrafie, für Schriftkunst, in den Moscheen.
"In Persien jedoch war die Darstellung von Menschen auch in der sakralen Kunst nicht ungewöhnlich", betont Lüders. "In der persischen Malerei des Spätmittelalters finden sich auch Darstellungen des Propheten, häufig mit Heiligenschein und immer unter Auslassung des Gesichtes, das als weißer Fleck dargestellt wird."
Als in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Filmindustrie in Ägypten zu florieren begann, wandten sich einige Ulama, religiöse Rechtsgelehrte, gegen die neue Kunst, unter Verweis auf das vermeintliche Bilderverbot, konnten sich aber nicht durchsetzen. 1964 entstand in Ägypten der Film "Mohammed, der Prophet Gottes". Obwohl der Prophet nur von hinten gezeigt wurde, sprach sich die Azhar-Universität in Kairo, die höchste Instanz im sunnitisch-arabischen Islam, gegen den Film aus. Er durfte erst gezeigt werden, als der Regisseur alle Szenen mit Mohammed durch gleißendes Weiß ersetzt hatte.
"Dass die Bilder im Islam verboten sind, ist eine weit verbreitete aber nicht zutreffende Annahme", heißt es auf der Homepage der Donau-Universität Krems. "Das Bild im Islam wurde als etwas unnötiges angesehen, das den Gläubigen vom wahren Weg, nämlich der Suche nach der Wahrheit (=Gott), nur ablenkt." Das islamische Bilderverbot sei eigentlich ein Polytheismusverbot und solle als solches verstanden werden.
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