| Im Zuge der Räumung des Gaza-Streifens haben israelische Sicherheitskräfte am Donnerstag eine weitere Siedlung unter ihre Kontrolle gebracht: Die am Mittelmeer gelegene und als Hochburg des Widerstands geltende Kommune Shirat Hayam sei "fast vollständig" evakuiert, sagte die Polizei. Indes haben jüdische Siedler bei Protesten gegen den Abzug zehn Grenzpolizisten in Kfar Darom mit Säure verletzt.
Fast alle Bewohner von Shirat Hayam und ihre Unterstützer wurden von Armee und Polizei aus der Siedlung gebracht. Einige wenige radikale Siedler zogen sich zum Strand zurück. Bei den Zwangsräumungen wurden am Donnerstag nach Angaben von Ärzten 43 Menschen verletzt - aufgeschlüsselt in 25 Polizisten, zehn Soldaten und acht Zivilisten.
Die Säure setzten Demonstranten gegen Sicherheitskräfte ein, die eine Synagoge in Kfar Darom räumten. Zuvor hatten Polizisten und Soldaten nach stundenlangen Auseinandersetzungen das von den zumeist jugendlichen Ultra-Nationalisten besetzte Synagogendach unter ihre Kontrolle gebracht.
Die Polizisten wurden in einem Container mit einem Spezialkran auf das Dach des Gotteshauses gehievt, wo sich Dutzende hinter Stacheldraht verschanzt hatten. Andere Polizisten nutzten Leitern, um auf die Synagoge zu gelangen. Sie zerschnitten die Stacheldrahtabsperrungen, auch Wasserwerfer kamen zum Einsatz.
Die Abzugsgegner schlugen mit Stöcken nach den Soldaten und Beamten, warfen mit Gegenständen, streuten Sand und setzten auch Säure ein. Die Polizisten waren schnell zurückgewichen, als sie mit einer zunächst nicht zu definierenden Substanz beworfen wurden. Danach zogen sie sich ihre Uniformen aus. Mehrere wurden weggetragen, einige hielten den Kopf zwischen den Händen.
Auf dem Dach der Synagoge kam es zu einem Handgemenge. Bei den Kämpfen rutschen zwei Polizisten von der Leiter, einer wurde bewusstlos auf einer Trage weggebracht. Armeebefehlshaber Dan Harel zeigte sich über den Säureangriff empört. Gegen die radikalen Siedler werde das Gesetz "mit aller Härte" angewandt werden, kündigte der für die Region zuständige General an.
Kfar Darom ist ein Brennpunkt des Widerstandes gegen den Abzug. Seit dem Beginn der Zwangsräumung der jüdischen Siedlungen im Gaza-Streifen am Mittwoch waren die Auseinandersetzungen dort die gewalttätigsten. Am Donnerstagnachmittag hatten die Sicherheitskräfte eine weitere besetzte Synagoge im Gaza-Streifen in Neve Dekalim gestürmt. Auch dort hatten sich Abzugsgegner verschanzt.
In dem größten jüdischen Siedlungsblock im Gaza-Streifen, Gush Katif, wurde unterdessen bereits mit dem Abriss von Gebäuden begonnen. Der israelische Ministerpräsident Sharon will die Gebiete der jüdischen Siedlungen erst nach einer vollständigen Räumung an die Palästinenser übergeben. "Bis zum kompletten Abzug des letzten Soldaten und des letzten Ausrüstungsstücks werden die Palästinenser die evakuierten Gebiete in keiner Weise betreten", sagte Sharon am Donnerstag.
© SN/APA.
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