| VERONIKA GASSER
A uf Europas Straßen wird es enger. Diese Kernaussage der ÖAMTC-Studie ist noch nicht erstaunlich. Seit Jahren ist die Problematik sichtbar. Der tägliche Megastau ist bereits unerfreuliche Realität. Viel erstaunlicher ist vielmehr, dass die Politik trotz unverkennbarer Anzeichen nicht reagiert. Im Gegenteil. Dem vereinten Europa war der uneingeschränkte Warenverkehr seit jeher ein Dogma, das nie hinterfragt wurde. Österreich ist als Transitland ein Opfer dieser falsch verstandenen Freiheit. Auch nimmt seit der Ostöffnung die Zahl der Laster in unerträglichem Ausmaß zu. Damit steigt auch das Unfallrisiko. Wer heute auf der Autobahn unterwegs ist, muss fürchten, wie in Steven Spielbergs Horrorfilm "Das Duell" zwischen gigantischen Brummern zermalmt zu werden.
T rotz mehrfacher Anläufe ist es der EU nicht gelungen, den Güter- und Personenverkehr auf der Schiene zu verbessern. Noch immer verhindert eine Vielzahl von Bahnsystemen und Vorschriften, dass Züge die Grenzen ohne Zeitverlust passieren können und dass die Beförderung rascher erfolgt. Zwar wird in den Ausbau hochrangiger Bahnstrecken investiert, doch ist dadurch allein nicht garantiert, dass das Zugaufkommen steigt. Auch werden wichtige Nebenstrecken ausgetrocknet, wodurch die öffentliche Anbindung vieler Regionen nicht mehr gegeben ist.
I n den Ausbau der Straßen wird dagegen mehr Geld gepulvert. Doch auch damit kann die Verkehrsflut nicht eingedämmt werden. Trotz zehnspuriger Autobahnen, die vielleicht bald Standard sind, werden wir eines Tages im Stau ersticken.
Die EU-Staaten müssen sich der brennenden Problematik von Raumordnung und Regionalplanung endlich annehmen. Der öffentliche Verkehr muss massiv ausgebaut und viel günstiger werden. Stecken die Politiker weiterhin die Köpfe in den Sand, werden wir vom Verkehr überrollt.
© SN.
|