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Kultur

Ein Virtuose, auch ohne Jethose

26. März 2007

So können Wintersport und Klang auch verbunden werden: Ralph Towner bei "Snow Jazz Gastein"

clemens panaglbadgastein (SN). Musik und Schnee? Wer bei der Schnittmenge der beiden Begriffe vor allem an singende Ski-Asse denkt, könnte ein Festival mit dem Motto "Snow Jazz" im Titel durchaus beängstigend finden. Aber keine Bange. Im Gasteinertal, wo gestern, Sonntag, das Festival "Snow Jazz Gastein" zu Ende ging, treten keine Virtuosen in Jethosen auf. Im Gegenteil: Organisator Sepp Grabmaier von der Kulturinitiative "Jazz im Sägewerk" zielte mit seinem zehntägigen Festival heuer bereits zum sechsten Mal auf eine hochkarätige Verbindung zwischen Kultur und Wintervergnügen - mit 22 Konzerten in Hotels, auf Hütten oder in seinem Bad Hofgasteiner "Sägewerk" und mit internationalen Szene-Stars wie Rabih-Abou Khalil, Peter Herbert oder Beni Schmid.

Der Zustrom schien dem Konzept auch heuer Recht zu geben: "99,6 Prozent der Karten sind weg", berichtete Grabmaier bereits am Samstag. Einen Höhepunkt des Programms, das diesmal unter dem Motto "String Things" stand, hatte sich der Impresario für den vorletzten Festivalabend im "Sägewerk" aufgehoben. Mit dem Gitarristen Ralph Towner wurde eine Jazz-Ikone für ein Exklusivkonzert in den Miniclub mit Wohnzimmer-Ambiente eingeflogen.

Ob Towner auch einen Ruf als Genie auf Ski zu verteidigen hat, ist nicht bekannt. In jedem Fall aber gilt der 67-jährige US-Musiker als ein Weltmeister auf der akustischen (Jazz-)Gitarre. Mit seiner Band Oregon kreierte er in den 70er Jahren ein oft kopiertes Kammerjazz-Konzept, in das Klassik und Weltmusik mit einflossen. Und auch als Solokünstler hat Towner seine eigene Universalsprache gefunden, in der klassische Komplexität, Jazzklangfarben und kosmopolitische Grooves gleichberechtigt Platz finden.

Sein Markenzeichen, eine zwölfsaitige Westerngitarre, hatte Ralph Towner nach Gastein ebenso mitgebracht wie ein klassisches Instrument. Wie komplex Towners Klangeinfälle sind, war schon an den akrobatischen Bewegungen abzulesen, mit denen seine linke Hand das Griffbrett bearbeitet. Würde man den Soloabend des studierten klassischen Gitarristen mit den Maßstäben eines klassischen Konzerts messen, müsste auch von manchen Ausrutschern im ersten Drittel des Abends berichtet werden.

Erst im zweiten Set zeigte sich der Gitarrist technisch in Höchstform. Aber im Jazz geht es schließlich nicht um fehlerfreies Reproduzieren von Notenmaterial, sondern vor allem um den Einfallsreichtum im Augenblick. Und den bewies der Gitarrist von Beginn an mit ungemein farbenreichen Fantasien und mächtigem Groove. Wie ein Miniorchester betrachte er die Gitarre, sagt Towner in Interviews. In Gastein demonstrierte er sein orchestrales Spiel in Songs wie "The Lizard of Eraclea" oder "Come Rain or Come Shine" (beide vom aktuellen Album "Time Line", erschienen bei ECM/Lotus) beeindruckend.

Wenn Ralph Towner Samstag wiederholt mit der Stimmung zu kämpfen hatte, dann nur mit der seiner Gitarren. Die Stimmung im "Sägewerk": eindeutig Jubel.

© SN.

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