| Die Linzer "Kinderaffäre" löste Kritik am häuslichen Unterricht aus. Die SN besuchten eine Pinzgauerin, die zu Hause vier Kinder unterrichtet.
anton kaindlSaalfelden (SN). Nach der Affäre um drei verwahrloste Kinder in Linz ist der häusliche Unterricht in die Kritik geraten. Jetzt gibt es den Ruf nach mehr Kontrollen.
Lilli Kirchner aus Saalfelden unterrichtet seit zweieinhalb Jahren ihren Sohn Philip (9) und drei Kinder von Bekannten zu Hause. Mit Semesterprüfungen und ärztlichen Kontrollen, wie sie Landesschulratspräsident Herbert Gimpl anregt, "haben wir sicher kein Problem", sagt Lilli Kirchner. "Aber es wäre absurd, wenn unsere Kinder öfter zum Arzt müssten als die in der Schule."
Die Pinzgauerin ist ausgebildete Mathematik- und Geographielehrerin und hat auch an der HTL unterrichtet. "Im Prinzip kann aber jeder seine Kinder selbst unterrichten", sagt Kirchner. "In Österreich gibt es im Unterschied zu Deutschland keine Schulpflicht, sondern eine Unterrichtspflicht."
"Wir mussten dem Bezirksschulrat ein pädagogisches Konzept vorlegen und begründen, wieso wir zu Hause unterrichten wollen. Bei uns hatte das weder religiöse noch elitäre Gründe. Ich will auch nicht die Regelschule angreifen. Die drei Hauptbedürfnisse von Kindern in diesem Alter sind Bewegung, sensorische Erfahrungen und Zuwendung. Und dem kann in einer kleinen Gruppe besser entsprochen werden."
Vieles ist in der "Schule" von Lilli Kirchner anders. Es gibt zwar auch einen eigenen Unterrichtsraum, aber der Unterricht findet im ganzen Haus statt. "Und wir sind viel in der Natur." Es gibt keine Tests, keine Noten, und keine Pausenglocke. Die Kinder dürfen reden so viel sie wollen und sie dürfen zwischendurch spielen. Außerdem gibt es keinen fixen Stundenplan. Im Mittelpunkt steht forschendes Lernen mit Materialien.
"Dennoch setze ich Grenzen", sagt Lilli Kirchner. "Das ist kein antiautoritärer Unterricht." Bei den Unterrichtszeiten und den Ferien orientiert man sich an der Regelschule - und auch beim Lernziel. Kirchner ist ständig in Kontakt mit Volksschullehrern und weiß, was dort gelernt wird. Denn am Ende des Jahres müssen ihre Kinder an der Volksschule eine mehrstündige Prüfung ablegen, bei der sie bisher immer gut abgeschnitten haben.
Eine Montessorischule wäre für Lilli Kirchner eine Alternative gewesen, aber es gibt keine in der Nähe. Nach der "Volksschule" sollen die Kinder in eine öffentliche Schule wechseln.
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