| Persönlichkeitstraining in Saudi-Arabien, Fußballspiele in Ruanda. "Frauen ohne Grenzen" tut alles für ein starkes weibliches Selbstbewusstsein. ALEXANDRA PARRAGH
Alexandra Parragh W er Edit Schlaffer kennt, tut das wahrscheinlich wegen eines ihrer Sachbücher, die sie über das starke Geschlecht geschrieben hat. "Glücklich trotz Mann" oder "Die Emotionsfalle" sind nur einige der Buchtitel, die Schlaffer innerhalb der letzten Jahre als Autorin in Sachen Männer bekannt gemacht haben.
Die Sozialwissenschafterin ist aber mehr als irgendeine Frauenaktivistin, die sich prinzipiell gegen die Männer stellt. Edit Sc hlaffers Anliegen ist das Verhältnis der Geschlechter zu- und miteinander. Nicht umsonst hat sie mehr als 20 Jahre lang die Stelle für Geschlechterforschung am Ludwig-Boltzmann-Institut in Wien geleitet. Heute bevorzugt es die 56-Jährige, sich mit Öffentlichkeitsarbeit und Lobbying zu beschäftigen - für Frauen selbstverständlich. "Frauen können die Welt verändern. Oft fehlt ihnen dazu aber das nötige Auftreten und Selbstbewusstsein", sagt Schlaffer überzeugt. Dem soll der Verein "Frauen ohne Grenzen" abhelfen.
"Frauen können die Welt verändern" 2002 gegründet, ist er vor allem in Krisenregionen wie im Nahen Osten oder Afghanistan tätig. Gearbeitet wird immer nach demselben Prinzip: In Kooperation mit lokalen Behörden und Nichtregierungs-Organisationen werden Schulungen, Workshops oder andere Aktionen veranstaltet, welche die dort ansässigen Frauen unterstützen sollen, eigenständig(er) zu werden. Egal ob es darum geht, sich an einer Wahl zu beteiligen, um den Mut, öffentlich aufzutreten oder den Lebensunterhalt selbst zu verdienen. "Frauen ohne Grenzen" tut alles, um Frauen zu motivieren, das Ruder selbst in die Hand zu nehmen.
Begonnen hat alles durch den Bosnienkrieg Mitte der 90er Jahre. Damals kamen viele Flüchtlinge nach Österreich. Edit Schlaffer und ihr Forscherteam des Ludwig-Boltzmann-Instituts führten Interviews mit den Frauen unter den Immigranten. "Ich habe zu meinem Entsetzen festgestellt, dass die Mehrzahl der Frauen tief traumatisiert war. Sie wurden vergewaltigt oder misshandelt", erzählt sie.
Davon habe man aber in der allgemeinen Berichterstattung nichts finden können. "Die Probleme von Gewalt betroffener Frauen werden auch in der internationalen Politik oft ausgeklammert", beklagt sie. Die Lebensbedingungen der Frauen unter den Taliban in Afghanistan haben Edit Schlaffer schließlich endgültig bestärkt, eine internationale Organisation zur Stärkung der Frauen zu schaffen. "Unter Einsatz ihres Lebens haben Frauen in Afghanistan versucht, das zivile Leben aufrecht zu erhalten", berichtet Schlaffer.
Sie wisse von manchen, die sich über die Landesgrenzen mit Frauen aus Pakistan zusammengeschlossen hätten. Nahrungsmittel und andere Stoffe wurden zum Transport in der Burka, dem Ganzkörperschleier versteckt. "Da war mir klar: Wir müssen Frauen ohne Grenzen sein und gemeinsam eine internationale Frauenallianz bilden", erklärt Edit Schlaffer.
Auch Laura Bush kennt "Frauen ohne Grenzen" Mittlerweile ist "Frauen ohne Grenzen" eine international anerkannte Organisation mit weltweiter Vernetzung. Für Laura Bush, die Ehefrau des amerikanischen Präsidenten George W. Bush, ist sie ebenso ein Begriff wie für die iranische Menschenrechtsaktivistin Shirin Ebadi, die als erste Muslimin 2003 den Nobelpreis verliehen bekam. "Wir waren die erste NGO in Österreich, bei der Ebadi öffentlich aufgetreten ist", erzählt Schlaffer heute voller Stolz.
Ihren bisher größten Erfolg hatte die Sozialwissenschafterin mit ihrer Fraueninitiative sicherlich im Oktober 2006. Damals wurde sie eingeladen, einen Gastvortrag auf dem "Women's Forum for Economy and Society", dem jährlichen Treffen der wichtigsten weiblichen Wirtschaftsvertreterinnen zu halten.
Finanziert werden die Projekte über öffentliche Förderungen und Sponsoring. Schlaffer spricht von Kontakten wie eine Gesellschaft vom Kapital. "Wir leben von unserem Riesenkontaktnetz", sagt Schlaffer. Daher seien öffentliche Auftritte und Medienberichte so enorm wichtig für die Organisation.
Bisher kann sich "Frauen ohne Grenzen" über mangelndes Medieninteresse nicht beklagen. Beispielsweise haben viele Zeitungen, darunter auch ausländische wie die größte englischsprachige Tageszeitung Indiens, "The Hindu", darüber berichtet, als "Frauen ohne Grenzen" Schwimmkurse für indische Frauen organisierte. Viele Inderinnen waren als Folge der Tsnunami-Katastrophe im Dezember 2004 in den zurückgebliebenen Tümpeln ertrunken, bloß weil sie nicht schwimmen konnten.
Das bisher ungewöhnlichste Projekt fand in Ruanda in Afrika statt. Bei "Kicken für die Versöhnung" spielten Frauen der beiden verfeindeten Volksgruppen (Hutu und Tutsi) miteinander Fußball. Das Besondere dabei waren die gemischten Mannschaften. Nie zuvor waren Hutu- und Tutsifrauen gefordert, gemeinsame Sache zu machen. "Das Fußballspiel war für alle ein Aufarbeiten der Vergangenheit", sagt "Frauen ohne Grenzen"-Chefin Edit Schlaffer.
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