| Blinde Pferde, neurotische Gänse, ein Zuchteber mit Hühnerauge: Aloisia Walter gehört der etwas andere Gnadenhof am Gaisberg. Doch es herrscht Geldnot.
CHRISTIAN reschSALZBURG-STADT (SN). Mit weit ausgebreiteten Armen steht Aloisia Walter am Rand ihres Grundstücks am Fuße des Salzburger Gaisbergs. Rechts von ihr liegt ihr Gehöft, in weiter Ferne ist ein rosaroter Fleck auf der Wiese zu erkennen. "Schwein - Schwein - Schwein - Schwein", schreit die 43-Jährige, und sofort kommt heftige Bewegung in das massive Objekt am Horizont.
Wer nicht weiß, wie es aussieht, wenn ein 350-Kilo-Zuchteber im Vollgalopp auf eine zierliche Frau zustürmt, kann diese Wissenslücke hier schließen. Doch "Schwein-Schwein", so der passende Name des Tiers, ist guter Dinge - und seinem Frauchen in inniger Liebe verbunden. Grunzend, ein wenig sabbernd begrüßt er die Bäuerin, und wären Eber zu mimischem Ausdruck fähig, würde "Schwein-Schwein" zweifellos grinsen.
Das stämmige Borstenvieh ist zurecht gut gelaunt: Verletzt und ausgemergelt wurde es Aloisia Walter vor Jahren übergeben. Die päppelte den Eber liebevoll auf. Übung darin hat sie, denn über 200 teils exotische Tiere leben auf ihrem Bauernhof.
Früher lenkte sie Tiertransporter. Schließlich überwältigte Walter das Mitleid, sie erwarb mit ihrem Mann das Anwesen nahe dem Bildungshaus St. Virgil. Die meisten ihrer fünf Kinder sind mittlerweile aus dem Haus, die Tiere sind geblieben.
Jene Geschöpfe, die bei Walter Zuflucht finden, sind nicht die prächtigsten ihrer Art. Einige Pferde sind blind, anderen geht aus Altersgründen bereits das graue Fell aus. "Schwein-Schweins" Cousin "Rudi" ist besonders arm dran: Ihn plagt ein Hühnerauge an der hinteren Stelze, apathisch torkelt er durch seinen Stall. Eine Operation für den Koloss wäre derzeit zu teuer.
Neben durch den Altbesitzer traumatisierten Höckergänsen und einem neurotischen Watussi-Bullen tummeln sich Elche, Lamas, Ziegen, Hühner, Hängebauchschweine, zwanzig ehemalige Kettenhunde und 25 Katzen.
Aloisias Gnadenhof eignet sich also nicht zur Vermarktung und nicht zum Geld verdienen. Die Tiere hier sind jene, die keiner mehr will, weder als Besitz noch zur Besichtigung. Die tierische Population wuchs unaufhörlich - auch auf Grund der Dreistigkeit vieler Mitbürger. "Die Tiere werden oft bei Nacht und Nebel abgeladen. Plötzlich fährt wieder einmal ein Autofahrer mit quietschenden Reifen vor, wirft ein paar Welpen aus dem Fenster und verschwindet."
Die Tierfreundin berichtet gerade von ihren Sorgen, als "Schwein-Schwein" beginnt, mit Appetit eine Katzenfutterdose aufzubeißen. "Das Futter ist ein Problem. 4000 Euro brauche ich dafür jeden Monat", sagt Walter. Sie hofft auf Spenden - "oder auf ehrenamtliche Hände, die zupacken können". Info: Tel.: 0676/ 5727178, BLZ 55000, KNr. 218024241.
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