| Vertrauensleute des ÖBB-Chefs werden befördert, Wilhelmine Goldmann wurde entmachtet. Aufsichtsräte des Konzerns erhielten gute Aufträge als ÖBB-Berater.
FRITZ PESSLWIEN (SN). ÖBB-Chef Martin Huber setzt die personellen Umstrukturierungen des Konzerns fort. Am Dienstag wurde Wilhelmine Goldmann, Vorstand für Nahverkehr in der Personenverkehrs AG, endgültig entmachtet. Der Aufsichtsrat unter Vorsitz von Fredmund Malik, Chef des Managementzentrums St. Gallen, erkor Stephan Wehinger zum Sprecher des Vorstandes und übertrug ihm auch die Marketingagenden von Goldmann.
Bisher waren die beiden gleichberechtigte Vorstände. Zuvor wurde Goldmann der Finanzbereich entzogen und an den dritten Vorstand Erich Söllinger übertragen. Auch ihre Funktion als Postbus-Aufsichtsratschefin soll Goldmann auf Druck schon zurückgelegt haben. "Goldmann wird in kleinen Scheibchen demontiert, bis sie die Nerven wegschmeißt", hieß es aus dem Unternehmen.
Heute, Mittwoch, tagt der Aufsichtsrat der ÖBB Bau AG. Dort ist der Posten des verstorbenen Vorstandes Thomas Türinger neu zu besetzen. Ausschreibung und das stattfindende Hearing dürften aber nur ein Pro-forma-Akt sein, denn der Sieger steht längst fest: Alfred Zimmermann, bisher Vorstand der Betriebs AG und zuletzt schon interimistischer Vorstand der Bau AG, ist für den Job vorgesehen.
Zimmermann soll nicht nur selbst in St. Gallen Managementschulungen genommen, sondern mit Malik auch einen Rahmenvertrag abgeschlossen haben, dass ÖBB-Manager dort gecoacht werden. Kolportierte Vertragssumme: eine Million Euro im Jahr. Zimmermann betonte, er sei nur für die Ausschreibung der Schulungen, nicht für die Auftragsvergabe verantwortlich gewesen.
Im Gegensatz zu Malik hat der ehemalige Justizminister Dieter Böhmdorfer keinen Rahmenvertrag für seine Dienste. Der Rechtsanwalt sitzt seit August 2005 in vier ÖBB-Aufsichtsräten (Holding, Bau AG, Betrieb AG, Immobilien Management GmbH) und erhielt von der Immobilien GmbH den Auftrag, 15 Immobilien-Projekte zu betreuen. Der Stundensatz beträgt 250 Euro.
Dazu Böhmdorfer: "Das ist der geringste Stundensatz, den ein Rechtsanwalt haben kann. Ich mache das nur den ÖBB zuliebe. Das ist kein Auftrag, sondern ein Entgegenkommen." Er leite einen Arbeitskreis, weil die Grundstücksverhältnisse zwischen ÖBB, Stadt Wien und Wiener Linien in den vergangenen 40 Jahren nie geregelt worden seien. Böhmdorfer will von lukrativen Einkünften nichts wissen. "Ich erhalte als ÖBB-Aufsichtsrat 25.000 Euro im Jahr und habe dafür freiwillig mein Nationalratsmandat zurückgelegt."
Monika Steinacker, Geschäftsführerin der Immobilien, der im Konzern ein sehr gutes Verhältnis zu ÖBB-Chef Huber nachgesagt wird, übernahm die Geschäftsführung des ÖBB-Werbecenters. Der Posten wurde weder ausgeschrieben noch wurde ihre Bestellung jemals offiziell bekannt gegeben.
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