| Politgünstling und schlechte Chefin: Zoo-Geschäftsführerin Sabine Grebner muss mit Vorwürfen leben. "Das hat mich sehr, sehr verletzt."
KARIN ZAUNER Seit 15 Monaten leitet die 34-jährige Betriebswirtin Sabine Grebner den Zoo Salzburg. Bereits ihr Einstieg war nicht nach Maß. Man hatte ihr vorgeworfen, sie sei ein Parteigünstling und habe deshalb den Job bekommen. Dann wurden die Finanzen der Olympia-Bewerbung 2010, für die sie zuständig war, zum heißen Politthema. Zuletzt gab es eine unschöne Trennung von der Tiergarten-Tierärztin, die Grebner Mobbing vorgeworfen hatte. Man trennte sich dann aber einvernehmlich.
Frau Grebner, das Bild, das Sie in der Öffentlichkeit abgeben, ist das eines Politgünstlings, der mit Mitarbeitern schlecht umgeht. Sind Sie das? Grebner: Die Vorwürfe haben mich sehr, sehr verletzt. Und ich finde das gar nicht lustig. Manchmal gehe ich zu den Nashörnern und sage leise, leiht mir bitte eure dicke Haut.
Sind Sie ein Politgünstling? Grebner: Ich war nie bei einer Partei und werde zu keiner gehen. Können Sie mir vielleicht sagen, wem ich überhaupt zugerechnet werde?
Sie waren bei der Olympiabewerbung für 2010 für den Finanzbereich zuständig. Nach dem Scheitern der Bewerbung gab es massive Kritik, mit dem Geld sei nicht sorgfältig umgegangen worden. Grebner: Ich habe in der Bewerbungsgesellschaft im Bereich Budget mitgearbeitet. Die Letztentscheidungen lagen beim Geschäftsführer und beim Aufsichtsrat. Ich habe darauf geachtet, dass die Finanzen transparent sind und im Rahmen bleiben. Aber mit Vertretern des Internationalen Olympischen Komitees kann man nicht zu Mc Donalds essen gehen.
Sie wollten immer im Sportmanagement arbeiten. Was ist aus diesen Plänen geworden? Grebner: Das ist abgehakt. Ich wollte immer bei Olympia arbeiten, und das habe ich erreicht. Schon als Kind haben mich Olympische Spiele fasziniert.
Das klingt so, als hätten Sie nach den Olympia-Erfahrungen die Nase voll vom Sportmanagement? Grebner: Nein. Aber ich habe wie alle anderen im Team der Olympiagesellschaft zwei Jahre geopfert und kein Privatleben gehabt. Ich wollte danach wo arbeiten, wo man seinen Einsatz zurückbekommt und nicht von Parametern abhängig ist, die man nicht beeinflussen kann - etwa geopolitische Entscheidungen.
Sie waren heuer bei den Olympischen Spielen als Zuschauerin. Sie wurden eingeladen? Grebner: Mein Freund arbeitet bei einer Tochtergesellschaft von Fiat, die Kartenkontingente hatte. Er hat mir als Trost die Karten geschenkt. Bei der Eröffnungsfeier hatten sie einen großen Löwen als Dekoration, den hätte ich am liebsten für den Zoo mitgenommen.
Vom Sport zu den Tieren ist es ein weiter Weg. Hatten Sie schon eine besondere Beziehung zu Tieren, bevor Sie im Zoo zu arbeiten begonnen haben? Grebner: Ich habe als Kind immer alle Tiere heimgebracht. Molche und auch Igel zum Überwintern, jetzt weiß ich natürlich, dass das nicht so klug war.
Was ist Ihr Lieblingstier? Grebner: Eines, das wir hier nie haben werden. Die Giraffe.
Warum die Giraffe? Grebner: Bei Giraffen passt nichts zusammen; der kleine Kopf nicht zum langen Hals. Und es gefällt mir, wie umständlich sie trinken. Die Giraffe steckt noch in der Evolution.
Zurück zu den Menschen. In den letzten Wochen gerieten Sie wegen der Trennung von der Zoo-Tierärztin unter Beschuss. Sie hatte Ihnen Mobbing vorgeworfen. Grebner: Ich bin nicht konfliktscheu, aber mir ist es wichtig, dass man die Sachen ausredet. Ich habe selbst eine Mediatorenausbildung gemacht. Die Tierärztin und ich hatten gegenseitig andere Erwartungen voneinander. Ich wollte, dass die Trennung ohne Gesichtsverlust für beide über die Bühne geht.
Haben Sie es je bereut, in den halböffentlichen Bereich gegangen zu sein und damit in der Öffentlichkeit zu stehen? Grebner: Nein, aber ich habe unterschätzt, dass man plötzlich zum gläsernen Menschen wird. Bei 280.000 Besuchern im Jahr gehört es aber selbstverständlich dazu, in der Öffentlichkeit zu stehen. Nur Personalpolitik gehört zum Schutz aller nicht in die Öffentlichkeit.
Reagieren Zoobesucher auf kritische Berichte über Sie? Grebner: Oh, ja! Leute sprechen mich im Tiergarten an und fragen, na, was sind denn Sie für eine? Aber unlängst ist auch ein Bekannter vorbeigekommen und wollte mich mit dem Kauf einer Eintrittskarte trösten. Das hat mich gefreut.
Wo soll sich der Zoo unter Ihnen hinentwickeln?
Grebner: Wir sind ein Tier- und Artenschutzzentrum. Genau in diesen Bereichen soll die Entwicklung weitergehen. Wir wollen zur Bewusstseinsbildung beitragen und Problembewusstsein schaffen. Kinder sollen Tiere nicht nur vom Fernsehen kennen, sonder wissen, wie groß sie sind oder wie sie riechen.
© SN.
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