| Ausklang bei Snow Jazz Gastein: Thierry Lang Trio mit Paolo Fresu
CLEMENS PANAGL BAD HOFGASTEIN (SN). Die Königin unter den Instrumenten? Von wegen: Der Platz auf dem Klavierhocker kann durchaus eine unbedankte Position sein. Jedem Musiker im Quartett des Schweizer Pianisten Thierry Lang wird am Sonntagabend im Bad Hofgasteiner Sägewerk für seine Soli kräftig Beifall gespendet: Heiri Kaenzig für seine kraftvoll-flinken Bassimprovisationen, Peter Schmidlin für seine sanft köchelnden Trommelwirbel, und allen voran Stargast Paolo Fresu für seine rasant verschlungenen Bebop-Läufe auf Trompete und Flügelhorn. Nur der Chef bleibt nach vollbrachtem Soloflug unbeklatscht - und ist dafür auch noch selbst verantwortlich: So sanft setzt Lang nach dem Höhepunkt seiner improvisatorischen Ausführungen zur Landung an, so selbstverständlich nimmt er die Dynamik aus dem Spiel, so elegant schafft er mit ein paar Akkordtupfern Platz für das Solo seines Bassisten, dass man den Übergang erst bemerkt, wenn es für Applaus schon zu spät ist.
Unter den modernen Jazzpianisten ist Lang der Mann fürs Elegante: mit an Bill Evans und anderen Klassikern geschultem Ton pflegt er das Ideal einer introvertierten Virtuosität. Im Gegensatz zu seinem musikalischen Intimfreund Paolo Fresu: Der Italiener gibt, obwohl in versunkener Chet-Baker-Pose auf der Bühne sitzend, sportiven Sechzehntellinien gern den Vorzug vor zu viel Grübelei. Lang und Fresu: Das ist zum Ausklang des zehntägigen Festivals Snow Jazz Gastein ein ungleiches Paar mit einander vorzüglich ergänzenden Eigenschaften.
Als einziger Schweizer Jazzer ist Lang beim renommierten US-Label Blue Note unter Vertrag. Und auch die Band scheint sich auf einen gemeinsamen Nenner im klanglichen Umfeld einprägsamer Blue-Note-Klassiker geeinigt zu haben. Melodiebewusst und transparent klingt, was das Quartett in exaktem Aufeinanderhören auf die Bühne zaubert: sei es nun eine kompakte Version von Thelonious Monks "Round Midnight", ein Calypso von Abdullah Ibrahim oder eine, dem ruhigeren Teil des Abends sein Motto gebende Eigenkomposition namens "Nostalgie".
Von bloßer Blue-Note-Traditionspflege halten sich Thierry Langs hervorragend miteinander schwingendes Trio und ein farbenreich fantasierender Paolo Fresu aber trotz ihres Faibles für sangliche Jazzmelodik auch in den Balladen wohltuend fern. Im Mittelpunkt steht eine intensive Kommunikation ohne Worte, wie sie nur in einer perfekt eingespielten Band entstehen kann. Da gibt es dann, nach seinem Solo über "I Hear A Rhapsody" im zweiten Set, endlich auch für den Bandchef, was ihm gebührt: Jubel. CLEMENS PANAGL
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