| Eine Werbeagentur wollte eine "Guerilla-Aktion" starten und verirrte sich im Paragrafendschungel. Bis Johann Padutsch sagte, wem der Schnee gehört.
peter gnaigerSalzburg (SN). Wenn die Mitarbeiter der Salzburger Werbeagentur Concept 02 nicht doch noch kalte Füße bekommen haben, dann sehen heute tausende Salzburger einen erdbeerroten Schriftzug im Schnee: Auf Haufen entlang der Einfahrtsstraßen in die Stadt sowie auf einem Feld oberhalb des Hotel Kobenzl soll das Logo eines Freizeitmagazins prangen. Solche Aktionen heißen in der Branche "Sensation Guerilla Marketing". Angewandt wird die Methode, wenn Aufmerksamkeit um wenig Geld erreicht werden soll. Aber die kreativen Guerilleros scheiterten schon beim ersten Anlauf kläglich im Paragrafendschungel.
Einer der drei Geschäftsführer der Agentur, Christoph Humer, wollte sich die Aktion genehmigen lassen. Die ortsbildrechtliche Genehmigung gestaltete sich schwierig. Humer lernte aber auch das Straßenverkehrsamt kennen, das Bauamt sowieso. Die Hürde Umweltschutzamt hatte er übrigens bravourös genommen. Denn die 400 Logos werden mit biologisch abbaubarer Lebensmittelfarbe gespritzt. Dann der Schock: "Pro genehmigtem Schneehaufen hätten wir 72,90 Euro zahlen müssen", sagt Humer. Jetzt wurde es kompliziert. Denn während Beamte tagelang mit der Bearbeitung der Anträge beschäftigt gewesen wären, hätten die Haufen schmelzen können. Was wiederum − da waren sich alle einig − die Berechnungsgrundlage verändert hätte. Außerdem: Wer haftet, wenn der genehmigte Haufen von der Schneeräumung entfernt wird, weil die auch nur ihre Arbeit erledigt? Dann wurde es Stadtrat Johann Padutsch zu bunt. Er beriet sich mit Juristen und traf schließlich eine Entscheidung: "Schnee im öffentlichen Raum gehört − niemandem. Er darf kostenlos besprüht werden, weil er eine temporäre Erscheinung ist."
Als nächstes möchte Humer in Salzburg Kanaldeckel mit Werbung bekleben. Den Behördenweg kennt er ja schon...
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