| Doris Günther war am Donnerstag drauf und dran, im Snowboard die nächste Olympiamedaille für Österreich zu holen. Für die Zellerin blieb nur Rang vier.
HERBERT STRUBER berichtet aus Bardonecchia Als im Zielraum des olympischen Snowboardhangs in Bardonecchia Topfavoritin Daniela Meuli (Sz) sowie Amelie Kober (D) und Rosey Fletcher (USA) zur Siegerehrung schritten, trocknete die Salzburgerin Doris Günther gerade ihre Tränen. Die 27-Jährige war am Donnerstag im abschließenden Parallel-Riesentorlauf drauf und dran, die 20. Medaille für Österreich bei den Winterspielen in Turin einzufahren. Doch letztlich blieb ihr vor den Augen ihrer Eltern und des eigenen Fanklubs nur Platz vier und damit "Blech". "Es war heute alles möglich. Leider habe ich zwei Chancen verschenkt", meinte Günther.
Zur Erklärung: Die erste Möglichkeit vergab die Zellerin im Halbfinale gegen die junge deutsche Amelie Kober. Sie kam in Lauf eins am langsameren roten Kurs gleich im obersten Streckenabschnitt zu Sturz. Mit vollem Risiko machte sie den Time-Penalty von 1,50 Sekunden im zweiten "Run" fast wett, doch ein paar kleinere Fehler im unteren Teil kosteten ihr den Einzug in den Endlauf, womit Silber sicher gewesen wäre. Im kleinen Finale um Platz drei ereilte Günther dasselbe Schicksal: Gegen Rosey Fletcher kam sie wieder gleich im oberen Streckenteil des roten Kurses zu Sturz und verletzte sich dabei leicht an der Schulter. Im zweiten Lauf holte sie wieder auf, aber am Ende fehlten 0,69 Sekunden zu Bronze. "Eine Medaille hätte der gesamten Damenmannschaft Auftrieb gegeben", sagte Günther, die nach Platz acht in der Qualifikation sowohl im Achtelfinale (gegen die Japanerin Takeuchi) als auch im Viertelfinale (gegen die Qualifikations-Beste Tudigescheva aus Russland) deutlich den Aufstieg schaffte. Mit dem ersten Sturz ging ihre Souveränität aber verloren.
Krings-Cousinen im Achtelfinale gescheitert Somit bleibt Bronze durch Siegfried Grabner die einzige ÖSV-Snowboardmedaille in Turin. Von Salzburgs Damen-Quartett im Parallel-Riesentorlauf konnte nur Günther in den Kampf um Edelmetall eingreifen. Die Cousinen Heidi (10.) und Doresia Krings (11.) schieden jeweils im Achtelfinale aus. Allerdings mussten beide gegen übermächtige Gegnerinnen antreten. Doresia Krings hatte bei ihrem letzten Olympiaeinsatz gegen die spätere Siegerin Meuli (sie holte die dritte Snowboard-Goldmedaille für die Schweiz) keine Chance. Und Heidi Krings vergab gegen Ursula Bruhin (Sz) mit einem Fehler im zweiten Lauf die kleine Möglichkeit auf den Aufstieg.
Noch zerknirschter stand Manuela Riegler im Zielraum. Die amtierende PGS-Weltmeisterin musste nach verpasster Qualifikation ihr Board abschnallen. Mit einem Sturz im zweiten Lauf waren ihre Hoffnungen zerstört. Die fünfwöchige Rennpause nach einem im Training erlittenen Knöchelbruch hatte sich wahrscheinlich doch negativ ausgewirkt, auch wenn sie das nicht so sah. "Ich habe mich sehr gut gefühlt. Ich war mir sicher, dass ich um eine Medaille mitfahren kann", meinte die 31-Jährige. Somit blieb wie vor vier Jahren in Salt Lake City nur der enttäuschende 28. Platz.
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