Salzburger Fenster, 29. Dezember 2004, Ausgabe 44/04

Salzburger des Jahres: Thomas Geierspichler

Die Top-100 des Jahres 2004 stehen fest – Sieger ist ein Behindertensportler
Nachdem er in den letzten Jahren bereits unzählige sportliche Erfolge errungen hat, ist Behindertensportler Thomas Geierspichler mit gleich fünf olympischen Medaillen aus Athen zurückgekehrt. Er ist somit der erfolgreichste Behindertensportler Salzburgs.
Foto: Baldauf

Viele Salzburger haben in diesem Jahr wieder Großartiges geleistet. Unsere Liste der Salzburger des Jahres gibt einen Überblick über die 100 Leute, die sich besonders ausgezeichnet haben.

Unsere Prominenten-Jury musste heuer aus über 200 Vorschlägen die 100 Salzburger auswählen, die in diesem Jahr Herausragendes geleistet, sich durch humanitäres Engagement, sportliche oder künstlerische Leistungen, großen persönlichen Einsatz oder außergewöhnliche wirtschaftliche Erfolge besonders ausgezeichnet haben.

Die Wahl zum „Salzburger des Jahres“ ist auf Ausnahmesportler Thomas Geierspichler gefallen, der sich aus seinem seelischen Tief ganz nach oben an die Spitze des Behindertensportes gekämpft hat.

In einer Zeit der Asyldebatten ging Platz zwei an eine Frau, die in Sachen Integration mit gutem Beispiel vorangeht: Flüchtlingsbetreuerin Ewa Chilinska.

Die Pappas Automobil AG zählt zu den bedeutendsten Arbeitgebern und Lehrlingsausbildnern in Österreich – Platz drei für das Salzburger Unternehmen. Platz vier für den Forscher und Gründer des Schmerzinstitutes Günther Bernatzky vor ARGEkultur-Geschäftsführerin Daniela Gmachl und Brigitte Bauer, Leiterin des Vereins ABC, auf den Plätzen fünf und sechs.

Seit den Paralympics in Athen 2004 ist Thomas Geierspichler mit fünf olympischen Medaillen (1 x Gold, 3 x Silber, 1 x Bronze) nunmehr Salzburgs erfolgreichster Behindertensportler. Der 28-jährige Anifer, der nach einem Autounfall vor zehn Jahren im Rollstuhl sitzt, und anfänglich Trost im Alkohol und in den Drogen suchte, hat sich mit großer Willensstärke und seinem tiefen Glauben selbst aus dem Sumpf gezogen. Viel harte Arbeit, Training und Energie stecken in seinen unzähligen sportlichen Erfolgen, zu denen er seither von Rennen zu Rennen eilt.
Foto: Baldauf

Seit 1989 lebt die gebürtige Polin in Österreich, 15 Jahre später wird aus Ewa Chilinska auch eine österreichische Staatsbürgerin. In ihrem Gasthaus, dem „Ramingsteinerhof“ beherbergt die vierfache Mutter nicht nur Reisegruppen, sondern seit Anfang dieses Jahres auch Flüchtlinge aus Tschetschenien, hauptsächlich Frauen und Kinder. Für ihre Schützlinge ist sie Betreuerin, Dolmetscherin und Psychologin in einer Person. Sie macht den Menschen begreiflich, dass man sich als Ausländer der Kultur und Lebensweise der neuen Heimat anpassen muss, um sich erfolgreich integrieren zu können. Freizeit bleibt der engagierten Frau wenig, denn selbst dann erledigt sie die Buchhaltung für ihren Gastbetrieb.
Foto: Notburga Löcker

Stellvertretend für die Georg Pappas Automobil AG steht Vorstandsvorsitzender Komm. Rat Alexander Pappas. Das renommierte Salzburger Familienunternehmen steht seit über fünf Jahrzehnten als Synonym für Qualität und Innovation – auch im Bereich Lehrlingsausbildung. Eine Stellung, die durch den hervorragenden zweiten Platz bei der diesjährigen Verleihung des „Fit for Future Award“ für die besten Lehrbetriebe Österreichs noch untermauert wurde. Gewertet wurden unter anderem die profunde Ausbildung mit hohem Standard und die individuelle Betreuung durch ihre Ausbildner am Arbeitsplatz, Zurverfügungstellung von Arbeits- und Schutzkleidung sowie spezielle Seminare und Vorbereitungskurse zur Lehrabschlussprüfung.

Weit über die Grenzen unseres Landes hinaus ist Univ. Prof. Dr. Günther Bernatzky als Forscher und Gründer des SalzburgerSchmerzinstitutes höchst anerkannt. Dort wird Patienten nicht nur Hilfestellung geboten, sondern unter anderem zwischen Ärzten, Pflegepersonal und Patienten vermittelt, Fortbildung für medizinisches Personal geboten und Betroffene werden an Selbsthilfegruppen, Schmerzpraxen und -ambulanzen weitervermittelt. Prof. Bernatzky wurde für seinen selbstlosen Einsatz um das Wohl von Schmerzpatienten bereits zwei Mal von der Österreichischen Palliativmedizin ausgezeichnet. Zum einen für ein umfassendes Werk über Schmerzbehandlung in der Palliativmedizin, zum anderen für die Studie über Schmerzbehandlung von Tumorpatienten.
Foto: Sulzer

Als Geschäftsführerin der ARGEkultur in Salzburg setzt sich Daniela Gmachl mit großem Engagement dafür ein, Kulturschaffenden unterschiedlichster Sparten, sozialer Zugehörigkeiten, Ethnien und Altersgruppen einen Ort zum Produzieren, Proben und Experimentieren zur Verfügung zu stellen. Sie ist ständig auf der Suche nach neuen Partnerschaften, um diese kulturelle Vielfältigkeit auch weiterhin erhalten zu können. Sie war eine der großen Vorkämpferinnen für den Bau des neuen ARGEkultur-Gebäudes, in dem sie mit ihrem Team ab Oktober nächsten Jahres eine neue Heimat finden wird. Seit Baubeginn fungiert sie auch als erfolgreiche Managerin für das Projekt, das auch dank ihrer Umsicht bisher genau im Plan liegt.

In Salzburg können trotz neunjähriger Schulpflicht rund 20.000 Menschen nicht richtig lesen und schreiben. Brigitte Bauer, Leiterin des Vereins „ABC – Lesen und Schreiben für Erwachsene“ sucht nicht lange nach Gründen für diesen Analphabetismus, sondern versucht mit großem Enthusiasmus und persönlichem Einsatz, hier Abhilfe zu schaffen und diesen Menschen das Versäumte in verschiedenen Unterrichtseinheiten nachträglich beizubringen. Ihrem großen Engagement ist es zu verdanken, dass Betroffene, die vorher oft in soziale Isolation zu rutschen und zu Außenseitern unserer Gesellschaft zu werden drohten, wieder an einem normalen gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.


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