Salzburger Fenster, 10. November 2004, Ausgabe 38/04

Apotheken: Kein Aspirin bei dm!

Streit um Verkauf von rezeptfreien Medikamente in Drogerien

Manfred Laaber, Marketingleiter von dm: „Man soll den Leuten nicht immer einreden, dass sie unselbstständig sind.“
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Apotheker Werner Salmen: „Aspirin gehört in die Apotheke und nicht in einen Selbstbedienungsladen.“
Foto: Rattey

Aspirin, Nasivin, Sanostol soll es künftig auch bei dm zu kaufen geben. Die Apotheker sprechen von einem Anschlag auf die Gesundheit der Österreicher und drohen mit rechtlichen Schritten.

Sollte die Drogeriemarktkette dm in Österreich tatsächlich rezeptfreie Medikamente verkaufen, werden wir sofort einschreiten", ist Friedemann Bachleitner-Hofmann, Präsident der Salzburger Apothekerkammer, erbost. Bereits jetzt darf dm aufgrund einer Verordnung des Arzneimittelgesetzes ausgewählte Arzneimittel wie Hustensaft, Baldrian, Magentabletten, Nahrungsergänzungsmittel oder Vitaminpräparate verkaufen.

Die deutsche Drogeriekette plant nun auch alltäglich gewordene Arzneimittel in ihren 320 österreichischen Filialen zu günstigeren Preisen anzubieten: etwa Aspirin, Wick VapoRub, Nasivin oder Sanostol.

Fatale Folgen möglich

"Gerade das scheinbar harmlose Aspirin ist kein Scherzartikel," meint indes Werner Salmen von der Engel-Apotheke in der Linzer Gasse. Für Kinder könne die Behandlung bei Windpocken oder grippalen Infekten mit Acetylsalicylsäure, dem Hauptbestandteil von Aspirin, sogar tödliche Folgen haben. Auch bei Patienten, die Blutgerinnungsmittel einnehmen, kann es fatale Folgen geben. Deshalb erlaube das strenge Arzneimittelgesetz die Abgabe gewisser Medikamente nur den Apotheken oder Ärzten. Salmen: "Wir beraten unsere Kunden auch beim Kauf von Aspirin. Im Selbstbedienungsladen ist der Kunde hingegen anonym, und ein Drogist hat wenig Ahnung von Arzneimitteln."

dm: "Wir ersetzen nicht Arzt oder Apotheker"

Die dm-Kette wehrt sich gegen diese Vorwürfe. "Der Arzt oder Apotheker soll von uns nicht ersetzt werden, aber bei Medikamenten, die man auch in Apotheken ohne Beratung erhält, da wollen wir ansetzen," sagt Manfred Laaber, Marketingleiter von dm. "Außerdem soll den Menschen nicht immer eingeredet werden, dass sie unselbstständig sind. Wir wollen ja nicht die Selbstmedikation propagieren, sondern einen einfachen, praktischen Weg öffnen, damit die Konsumenten bequem ein erweitertes Angebot an Arzneimitteln bei dm erwerben können," so Laaber. Außer Zweifel stehe für dm, dass die aktuelle Gesetzeslage eingehalten werde.

Die Arbeiterkammer Salzburg sieht bei Medikamenten, die keine Missbrauchsgefahr mit sich bringen, ebenfalls keinen zwingenden Grund, diese nur über Apotheken zu verkaufen – vor allem, weil es für die Konsumenten billiger werden würde. "Allerdings muss der Gesetzgeber zuerst eine Liste für unbedenkliche Medikamente erstellen", fordert Ingrid Riegler von der AK.

Aspirin: Alltäglich, aber nicht ungefährlich

Auch wenn Aspirin seit 100 Jahren in Gebrauch ist und oft als Katermittel am Morgen danach eingesetzt wird, birgt es Risiken. Im Beipackzettel sind Nebenwirkungen wie Erbrechen, Allergien und Kopfschmerzen aufgelistet. Es könne auch zu Blutungen der Magenschleimhaut kommen, so Apotheker Werner Salmen von der Engel-Apotheke.

Der Bestandteil Acetylsalicylsäure fördert die Blutgerinnung. Wird Aspirin gemeinsam mit blutgerinnungshemmenden Medikamenten eingesetzt, kann dies unter Umständen sogar tödlich enden. Auch eine Übermedikation kann lebensbedrohlich sein: Diese führt zu einer Beschleunigung der Atmung, kurbelt die Nierenaktivität an, was einen gefährlichen Flüssigkeitsverlust zur Folge haben kann.

Infos unter: www.aspirin.at

Monika Rattey


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