Salzburger Fenster, 15. September 2004, Ausgabe 30/04

Das Bett im Freien und pumperlgesund

Abtenauer Original lebt anders als die anderen
Der „Reinprecht“ war seit 60 Jahren nicht mehr krank. Er baut Windräder und Geräte aus weggeworfenen Dingen.
Foto: Fröschl

Er schläft im Freien auf dem überdachten Balkon, isst am Morgen Kräutersuppe und schwört auf gute Luft: Johann Schmiderer, 86, aus Abtenau.

Krank war er nur in jungen Jahren. Während des Krieges infizierte er sich mit einem Ruhrerreger. Krank und abgemagert kam er heim. Ein Salzburger Arzt sagte ihm, er müsse sich alle Zähne ziehen und die Mandeln entfernen lassen. „Da bin ich gegangen“, erinnert sich der agile 86-Jährige.

Durch Zufall stieß er damals auf einen Vortrag eines schwedischen Arztes: „Nie wieder krank“. Das half. Der „Reinprechter“, wie Johann Schmiderer genannt wird, stellte seine Ernährung um und verzichtete fast komplett auf tierisches Eiweiß, trinkt seither sehr viel Wasser und schläft nur mehr im Freien. „Das erste Nahrungsmittel ist Luft. Stehende Raumluft ist minderwertig.“ Sein Frühstück besteht aus einer Kräutersuppe mit Kartoffeln. Zu Mittag gibt es Äpfel und abends Kartoffeln. „Der Mensch ist von Natur aus ein Fruchtesser.“

Die geistige Herausforderung sucht Reinprecht im Verwirklichen seiner Ideen: Er baute ein Windrad zur Erzeugung von Strom und bastelt aus Altmaterialien neue Geräte.

Als Pensionist noch Drachenfliegen gelernt

Wenn der Abtenauer Recyclinghof geöffnet hat, fährt Johann Schmiderer mit dem Fahrrad von seinem abgelegenen Bauernhof hin und sucht nach Verwertbarem. Brauchen kann „Reinprecht“ so ziemlich alles: Fahrräder, einen Hometrainer, jede Menge Ersatzteile für die Erfindungen. „Ich habe zwei Autos, fahre aber immer mit dem Rad“, sagt Schmiderer.

Als 55-Jähriger baute er sich ein Einrad, weil er gehört hatte, dass man mit Gleichgewichtsübungen den Gehörsinn trainieren könne. Schwerhörig ist er bis heute nicht.

Heute ist der Schmiderer nur noch mit dem Fahrrad unterwegs. Stolz ist er auf seine Tour von Bischofshofen über den Pass Lueg nach Abtenau. „Ich bin mit dem Bus hin und mit dem Rad zurückgefahren.“

Als Pensionist lernte er noch das Drachenfliegen und schwang sich in Abtenau in die Lüfte. Nachdem er einmal mit dem Flügel einen Lift gestreift hatte, wollten ihn die Abtenauer Liftler allerdings nicht mehr mitnehmen.

Aber die luftigen Fahrten wie bei der heurigen Dult tun’s auch.

Christine Fröschl


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