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| Umstritten ist die DECT-Technologie der neuen Schnurlostelefone in den Landeskliniken: Einige MitarbeiterInnen fürchten die Belastung durch E-Smog. Foto: Wild&Team |
Lange unter Verschluss, können sich nun besorgte Holding-MitarbeiterInnen über die Belastung der neuen Mobiltelefone im St.-Johanns-Spital informieren. Umweltmediziner Oberfeld lehnte die Funkanlage klar ab.
Bereits vor zwei Jahren wurde in umfangreichen Stellungnahmen die Einführung einer neuen mobilen Telefonanlage in den Salzburger Landeskliniken sanitätsbehördlich geprüft. Mittlerweile wurden flächendeckend in allen Abteilungen des St.-Johanns-Spitals digitale Schnurlostelefone eingeführt, in der so gennanten DECT (Digital Enhanced Cordless Telecommunications)-Technologie. Dazu mussten die Abteilungen mit mehr als 400 Sendestationen ausgestattet werden, rund 700 DECT-Handys sind in der Klinik in Betrieb.
Dauersender. Allerdings nicht unumstritten, wegen des Elektrosmogs. Die Technologie hat nach Ansicht von Experten drei wesentliche Nachteile: Die Basisstationen von DECT-Telefonen sind Dauersender, die auch funken, wenn nicht telefoniert wird (100-Hertz-Strahlung). Sie strahlen ungeregelt mit Spitzenwerten, und zum Dritten wie Handys mit gepulster Strahlung.
Gepulste Strahlung. Kein Wunder, dass der Umweltmediziner des Landes bereits bei der Einführung in der Chirurgie West zu dem Schluss kam: Zusammenfassend darf der Behörde empfohlen werden, die Betriebsbewilligung für die Schurlostelefonanlage nicht zu erteilen und die Außerbetriebnahme der Anlage vorzusehen.
Nachfolgende Auswirkungen seien wissenschaftlich beobachtet worden, abgesehen von Störungen der Grundregulation des Körpers: Schlafstörungen, verminderte Infektabwehr, Zunahme von unausgereiften roten Blutkörperchen bei Kindern. Dazu zitiert Oberfeld in seiner Stellungnahme den deutschen Medizinphysiker Lebrecht von Klitzing, der festhält, dass die DECT-Anlage für den gegebenen Bestimmungsort ungeeignet ist, da die daueremittierenden Systeme in den sensiblen Klinikbereichen, wie auch in den dauergenutzten Funktionsräumen zu gesundheitlichen Problemen führen. Mehr als tausend Ärzte in Deutschland haben sich im sogenannten Freiburger Appell für eine Verbannung von DECT aus öffentlichen Gebäuden stark gemacht.
Keinen Zusammenhang. Dennoch ist die Technologie in den Landeskliniken eingeführt worden, weil es auch Gutachten gab, die keinen Zusammenhang zwischen Gesundheitsrisiken und DECT festgestellt haben (u. a. Forschungszentrum Seibersdorf, TU Graz).
Grün-Gewerkschafter wurden aktiv, nachdem einige Mitarbeiter über Beschwerden geklagt haben sollen. Die Stellungnahme von Landesmediziner Oberfeld blieb lange unter Verschluss, mit dem Hinweis auf behördliche Verfahren, von den Grünen im Land als Geheimhaltungspolitik angeprangert.
Einsicht. Nun ist es zumindest gelungen, dass jeder, der will (so SALK-Geschäftsführer Max Laimböck), Einblick in die persönlichen Einschätzungen von Dr. Oberfeld bekommen kann. Zumindest in der Geschäftsführung, eine Herausgabe der Einschätzung sei aus rechtlichen Gründen nach wie vor nicht möglich. Grünen-Abgeordnete Heidi Reiter beharrt darauf, die Daten müssten nach dem Umweltinformationsgesetz für alle BürgerInnen zu bekommen sein. Die Biologin fordert einen Bescheid der Sanitätsbehörde und will damit zum Verfassungsgerichtshof. Dazu ein Monitoring und sorgsamen Umgang im Spital mit der Technologie.
Harmloser als Handy. SALK-Geschäftsführer Laimböck verweist darauf, dass die DECT-Handys eine deutlich geringere Strahlungsdichte haben als übliche Handys, und sogar in der Nähe medizintechnischer Geräte eingesetzt werden können. Die gesetzlichen und international anerkannten Grenzwerte würden an den Salzburger Landeskliniken um das 300.000fache unterschritten, selbst jene Werte von Landes-Umweltmediziner Oberfeld. Das herkömmliche Pager-System (ohne Funkbelastung) habe den Nachteil, dass man nicht kommunizieren könne.