Schon in den Morgenstunden hat auch der Tanktourismus aus Bayern wieder eingesetzt, bereits vor 7 Uhr gab es vor einer Diskonttankstelle in der Münchner Bundesstraße Richtung Freilassing bis zur Staatsgrenze Stau, berichtete die Polizei. Ansonsten blieben aber Verkehrszusammenbrüche rund um die drei Hotspots Airportcenter, Schallmoos und Obertrum am Dienstag aus, sagte ein Mitarbeiter der Polizei-Verkehrsleitzentrale zur APA.
Tankwagen blieben im Stau stecken
Die Preisschlacht hatte am Montag mit der Eröffnung der drei Diskonttankstellen bei Hofer-Lebensmitteldiskontmärkten begonnen. Am Montagnachmittag waren mehrere Tankstellen regelrecht ausverkauft, weil die Tankwagen mit Nachschub im Stau stecken geblieben waren.Markus Friesacher, Geschäftsführer des Diskont-Tankstellenbetreibers Free Energy (FE) Trading GmbH, musste um 20.00 Uhr die neu eröffneten Zapfstellen auf den Hofer-Parkplätzen schließen, weil über die Nacht ein Betrieb ohne Personal wegen des großen Ansturms nicht möglich gewesen wäre, wie er im APA-Gespräch sagte. „Kurz danach sind die großen Konzerne mit den Preisen wieder in die Höhe gefahren“, behauptete er.
Am Dienstag sperrte Friesacher um 8 Uhr auf und verlangt seither 0,877 Euro für Diesel und 0,947 für Benzin und Super. „Das ist immer noch unter dem Einkaufspreis.“ Die Konkurrenz hätte wenig später die selben Preise kundgemacht. Sollten diese nicht bald wieder steigen, werde er reagieren, um seine Ankündigung umzusetzen, stets um zwei Cent unter den anderen anzubieten. Auf der Tankstelle vor dem Hofer beim Airportcenter herrschte jedenfalls am Dienstagvormittag mehr Andrang als einen Tag zuvor. Die Autofahrer warteten geduldig, bis sie - nach rund 15 Minuten - an der Reihe waren. Bei den Tankstellen im Umkreis von zwei Kilometern, die den gleichen Preis für Benzin und Diesel anboten, stellte sich wieder eine normale Kundenfrequenz ein.
Ob die Preise im Tagesverlauf wieder ähnlich fallen werden wie gestern, hänge nur vom Verhalten der anderen ab, so Friesacher.
ARBÖ: Preise höher als Montag, aber niedriger als davor
Mit 0,872 Euro für einen Liter Diesel war die Salzburger Jet-Tankstelle in der Münchner Bundesstraße 15 am frühen Nachmittag am billigsten, berichtet der ARBÖ. „Das ist dieselbe Tankstellen, die gestern mit dem Sensationsniedrigstpreis von 0,519 Euro in die Schlagzeilen geraten ist", ergänzt Günther Frühwirth vom ARBÖ Salzburg. „Höher als gestern, aber niedriger als davor," bringt Frühwirth die aktuelle Entwicklung auf dem Salzburger Spritpreismarkt auf den Punkt.Mit 0,872 Euro unterbietet diese Jet-Tankstelle in Salzburg den österreichischen Durchschnittspreis für Diesel um 10 Cent (Durchschnittspreis = 0,971 Euro).
Damit hat der Preiskampf in Salzburg eines klar gezeigt: "Wettbewerb ist gut, er bringt was für die Autofahrer," so Frühwirth. Außerdem wurde klar, wie rasch und preissensibel die Autofahrer reagieren und welche enormen Spannen bei den Mineralölkonzernen drinnen sind."
Friesacher wird unterboten
Zurück zur aktuellen Situation in Salzburg: Auch bei Jet in der Innsbrucker Bundestrasse 65 war Diesel laut ARBÖ um 0,872 Euro zu kaufen. Die drei Hofer-Tankstellen (Friesacher) verkauften um 0,877 Euro und lagen damit um 0,5 Cent unter der Niedrigstmarke. Zum gleichen Preis boten den Diesel auch Tankstellen der OMV (Innsbrucker Bundesstraße 142, Münchner Bundesstraße und in der Vogelweiderstraße 86), von Agip (Münchner Bundesstraße 29, Moosstraße 30) und Shell (Ignaz-Harrer-Straße 94, Innsbrucker Bundesstraße 96) an. Jene ESSO-Tankstelle in der Gabelsbergerstraße 1, die heute in der Früh noch mit 0,574 Euro den günstigsten Dieselpreis angeboten hatte, hat ihn inzwischen auf 0,919 erhöht.
Bundeswettbewerbbehörde schaltet sich einAuch die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) interessiert sich mittlerweile für die Preisschlacht in der Mozartstadt. „Wir werden in Kürze ein kleines Team nach Salzburg schicken, das sich vor Ort die Dinge ansieht. Es wird mit allen Beteiligten sprechen und sich auch sonst umsehen“, kündigte BWB-Sprecher Stefan Keznickl im Gespräch mit der APA an. Wann erste Ergebnisse vorliegen, könne er noch nicht sagen
Super-Montag: Gewinn bleibt Betriebsgeheimnis
Markus Friesacher behält sich vor, den Preis weiter nach oben anzupassen: „Ich werde den Markt den ganzen Tag über beobachten“, sagt er am Dienstag. Denn eines ist klar: Ewig lange wird Salzburg kein Sprit-Paradies bleiben können. Friesacher will aber partout nicht sagen, ob sich sein Schleuderpreis vom Montag gerechnet hat: „Wie viel Liter ich gestern verkauft habe, ist Betriebsgeheimnis.“ Eine Schätzung, ob es eher das Fünf- oder eher das Zehnfache eines normalen Tagesumsatzes war, will er nicht kommentieren - sagt aber dann doch: „Die fünffache Menge haben wir nicht verkauft, die dreifache Menge eines normalen Tages vielleicht“ - was aber angesichts der langen Schlangen immer noch grob untertrieben sein dürfte.
Friesacher: „Konkurrenz hat sich ins Knie geschossen“
Auch am Dienstag wehrt sich Friesacher gegen Vorwürfe aus der Branche, mit seinem Dumping-Preis dauerhaft den Markt zu ruinieren: „Ich bin einfach zwei Cent unter dem normalen Preis geblieben. Dann hat sich die Konkurrenz gegenseitig nach unten lizitiert. Die anderen haben sich da selbst ins Knie geschossen.“ Denn für den Spritpreis-Rebellen aus Anif ist klar, dass er am längeren Ast sitzt: „Ich bestehe auf meinen zwei Cent Vorsprung. Ich kann mir das auch dauerhaft leisten - weil wir geringere Kosten haben: Wir haben kein Personal und keinen Shop.“
„Wir machen das so lange, bis wir gewonnen haben“
Wie lange er seine Preise - O-Ton-Friesacher: „auch heute Dienstag verkaufen wir nach wie vor unter dem Einkaufspreis“ - noch durchhalten will, will der Ex-Rennfahrer nicht verraten, sondern gibt sich kämpferisch: „Wir machen das so lange, bis wir gewonnen haben.“ Dass die Bundeswettbewerbsbehörde inzwischen angeblich schon Mitarbeiter nach Salzburg entsandt hat, um die Marktlage zu prüfen, läßt ihn kalt: „Die haben mich gestern angerufen und wollten wissen, was in Salzburg los ist. Aber das war nur ein Telefonat von einer Minute. Ich habe keine Angst vor Konsequenzen. Ich bin mir keiner Schuld bewusst.“
Das, was sich am Montag in Salzburg abgespielt hat - endlose Schlangen vor seinen und den anderen Tankstellen, die zum selben Preis angeboten haben - fand Friesacher „sehr lässig. Mit einem gewissen Ansturm habe ich schon gerechnet, aber nicht so viel. Aber immerhin habe ich ganz Salzburg ein riesiges Geschenk gemacht.“
In großen Teilen der Landeshauptstadt und auch in Wals und in Obertrum standen Montagnachmittag die Räder still. Ein Ansturm auf Tankstellen mit Literpreisen von rund einem halben Euro ließ den Verkehr zusammenbrechen. Der Grund war eine Werbeaktion, deren Auswirkungen wohl niemand abgeschätzt hatte. Auch am Dienstagmorgen staute es sich vor allem vor Tankstellen in der Innsbrucker Bundesstraße.
Konkurrenten zogen mit Preisen nach
Eigentlich wollte Betreiber Markus Friesacher mit Preisen aufwarten, die zwei Cent pro Liter unter den Angeboten der jeweils umliegenden Tankstellen liegen. Die Konkurrenten bekamen das blitzschnell mit und begannen ihrerseits mit Preissenkungen. Da Friesacher immer wieder nachzog, kam es zu einer Kettenreaktion. Die Preise purzelten und purzelten und das unverhoffte Angebot machte schnell die Runde.Was an Anzeigetafeln wie ein Defekt aussah, war Realität: Treibstoffpreise weit unter einem Euro pro Liter. Sogar ein Liter Diesel um 0,519 Euro wurde gesichtet. Die Tankstellenpächter hatten keinen Einfluss auf das Geschehen. Die Preise legen die Konzernzentralen fest. Wie lange die Preise so niedrig bleiben, war Montag noch ungewiss.
Dumping-Preise am Montag - wie zuletzt vor 30 Jahren
Am Montag war der Salzburger Benzin-GAU jedenfalls unübersehbar: Die weißen Ziffern auf schwarzem Grund sind unübersehbar: Diesel 0.525 Euro/Liter, Benzin 0.592 Euro/Liter, Super 0.592 Euro/Liter. Ungläubig starren die Passanten auf das Preisschild der neuen Hofer-Tankstelle am Airportcenter in Wals-Himmelreich. Einige zücken sogar ihren Fotoapparat, um diese „historischen Preise“, wie sie ein junger Mann nennt, festzuhalten. „Das glaubt mir ja sonst niemand“, sagt Hobbyfotograf Patrick Gmeiner und drückt sicherheitshalber gleich nochmal ab. Er ist am Montagnachmittag zufällig zum Airportcenter, um dort ein paar Sachen zu erledigen. „Dann hab ich die Autokolonne gesehen und wenig drauf das Preisschild. Und dann wusste ich schon, was los war“, erzählt der Bad Reichenhaller. Er hat die Gelegenheit beim Schopf gepackt und seinen Wagen, einen Toyota Corolla gleich voll getankt. So etwas müsse man schließlich nützen, meint er grinsend.
Sämtliche Zufahrtswege nach Obertrum blockiertAuch die Polizei hatte am Montag alle Hände voll zu tun. Hannes Moser, Abteilungsinspektor der Polizeiinspektion Obertrum, schildert seine Erfahrungen: „Bei den beiden Tankstellen in Obertrum staute es sich eigentlich vom Vormittag an bis ca. 20 Uhr. Alle Kreisverkehre des Ortes, sowie alle Zufahrten nach Obertrum waren den ganzen Tag über blockiert.“ Mittlerweile habe sich die Lage entspannt, vor einer Stunde war der Benzin an der Diskonttankstelle sogar teurer als beim Konkurrenten OMV. Die Polizei Obertrum rechnet auch heute noch mit erhöhtem „Tanktourismus“, die Verkehrslage hat sich aber wieder beruhigt.
Schnäppchenjagd verbindet
Etwas mehr als 10 Minuten mussten die Autofahrer am frühen Montagnachmittag Geduld beweisen, denn die Schlange an der neuen Tankstelle war lang. Dennoch ging es im großen und ganzen diszipliniert zu: Brav reihte sich Stoßstange an Stoßstange, die Lenker nutzen die Wartezeit für ein Telefonat, eine Zigarette oder einen Tratsch mit dem Vordermann - Schnäppchenjagd verbindet schließlich.Freundliche Hostessen teilen Infoblätter aus und erklären den Tankvorgang: „Zuerst Kredit- oder Bankomatkarte in den Automaten schieben, dann tanken und dann die Karte wieder entnehmen“, erklärt eine dunkelhaarige Mitarbeiterin freundlich, wahrscheinlich zum hundertsten Mal an diesem Tag. Ob die Preise so niedrig bleiben? Ja, erstmal schon. War heute den ganzen Tag soviel los? Ja, der Ansturm sei sei den Morgenstunden enorm. „So etwas spricht sich in Salzburg halt schnell rum“, meint die Hostess.
„Ich hab es von meinem Arbeitskollegen erfahren“, bestätigt eine blonde Dame, „und bin sofort hergefahren. 25 Liter für 13 Euro, das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.“
Standorte
Auf folgenden Hofer-Parkplätzen sind die Tankstellen zu finden:Salzburg-Schallmoos, Bergerbräuhofstraße 40a
(MO-SO, geöffnet von 6-22 Uhr)
Obertrum, Seekirchnerstraße 1
(MO-SO, geöffnet von 0-24 Uhr)
Wals-Himmelreich, Airportcenter, Franz-Brötzner-Straße 3. (
MO-SO, geöffnet von 0-24 Uhr)
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